Arda Saatçi hat die Red Bull Cyborg Season – Ultra 600 beendet. Nach 123 Stunden erreichte der 28-jährige Berliner am Santa Monica Pier in Los Angeles das Ziel seiner bisher härtesten Challenge: 600 Kilometer vom Badwater Basin im Death Valley bis ans Meer, mit 6.000 Höhenmetern, Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius und kaum Schlaf.
Am Ende zeigte die Uhr bei Zieleinlauf sogar 606 Kilometer, die 600-Kilometer-Marke knackte er nach 122:53 Stunden.
Was steckt hinter der Red Bull Cyborg Season?
Die Strecke beginnt am Badwater Basin, dem tiefsten Punkt der Vereinigten Staaten, und endet am Santa Monica Pier an der Pazifikküste. Dazwischen lagen mehr als 14 Marathons am Stück, Temperaturen von über 40 Grad Celsius in der Luft und bis zu 80 Grad auf dem Asphalt, Luftfeuchtigkeit unter zehn Prozent und ein 24/7-Livestream, der Saatçi die gesamte Zeit öffentlich sichtbar machte.
Das Projekt ist kein klassischer Ultramarathon mit Startfeld und Zeitnahme, sondern ein selbst konzipiertes Extremvorhaben: Saatçi gegen Strecke, Hitze und seinen eigenen Körper. Sein Team begleitete ihn im Auto und übernahm Verpflegung, Sicherheit, medizinische Checks und Dokumentation.
Wer ist Arda Saatçi?
Arda Saatçi wurde 1997 in Berlin geboren und wuchs im Bezirk Steglitz-Zehlendorf auf. Seine Eltern haben türkische Wurzeln. Als Jugendlicher investierte er alles in den Traum, Fußballprofi zu werden. Mit 18 Jahren musste er akzeptieren, dass dieser Weg versperrt war. Was folgte, war eine Neuerfindung: Nach einem Tiefpunkt absolvierte er ein BWL-Studium, arbeitete nebenbei in der Immobilienbranche und fand über das Krafttraining schließlich zum Laufen. Heute folgen ihm Millionen auf Instagram, TikTok und YouTube. Seine Motivation fasst er selbst so zusammen: „Ich wachse bei solchen Challenges über mich selbst hinaus. Sportlich, aber vor allem auch mental. Ich lerne während dieser Anstrengungen enorm viel über mich selbst."
Das selbst gesteckte Zeitlimit von 96 Stunden konnte Saatçi nicht halten. Dafür sorgten unter anderem ein Erdrutsch mit Streckenüberflutung sowie ein nächtlicher Polizeieinsatz mit Helikopter, die ihn zwangen, seine Route anzupassen und wertvolle Zeit zu verlieren. Hinzu kamen Gegenwind, sandige Abschnitte auf dem Highway 395 und immer wieder harte physische Tiefs, die das Tempo drückten. Doch Saatçi blieb in Bewegung.
Schritt für Schritt durch die Wüste
Schon in der ersten Nacht bewältigte Saatçi den härtesten Anstieg der Route: 1.510 Höhenmeter mit bis zu 10 Prozent Steigung. Er schlief insgesamt nur kurz, nahm Essen und Getränke im Gehen zu sich und verbrauchte nach Angaben seines Teams rund 15.000 Kalorien pro Tag.
Nach 54 Stunden und 12 Minuten knackte er die 300-Kilometer-Marke, die Hälfte der Strecke war geschafft. Von dort wurden die Bedingungen nicht einfacher: Asphalt, Hitze, Gegenwind. Die Pace fiel zwischenzeitlich auf über zehn Minuten pro Kilometer.
Physiotherapeut Gzim Ferizi begleitete Saatçi durchgehend entlang der Strecke und überwachte seinen körperlichen Zustand. Nach einem ärztlichen Check und einer kurzen Pause gab das Team grünes Licht für die Fortsetzung, aber mit einem klaren Statement: „Wir machen weiter, aber nicht um jeden Preis. Nicht um den Preis der Gesundheit."
600 Kilometer als Statement
Saatçi hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich die Grenzen dessen verschoben, was er sich selbst zutraut: 1.000 Klimmzüge in unter zwei Stunden, 3.000 Kilometer von Berlin nach New York in 74 Tagen trotz Ermüdungsbruch, anschließend die Länge Japans in 43 Tagen. Die Ultra 600 reiht sich in diese Liste ein, auch wenn das Zeitfenster gesprengt wurde.
Die Red Bull Cyborg Season – Ultra 600 war von Beginn an als Saatçis härteste Challenge beschrieben worden: mehr als 14 Marathons in einem Stück, durch eine der unwirtlichsten Landschaften der Welt. Dass er die 600 Kilometer trotz allem abgeschlossen hat, ist das eigentliche Ergebnis dieses Projekts.
Saatçi fasst seine Haltung gegenüber solchen Projekten so zusammen: „Every day is day one. Du bist nicht durch das definiert, was gestern war."
Diese Einstellung hat ihn durch das Death Valley, über Wüstenautobahnen und entlang der Route 66 bis an den Pazifik getragen.
Alle Infos zur Red Bull Cyborg Season – Ultra 600 gibt es auf redbull.com.





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