Wer gewinnt die ADAC Cyclassics 2026? Sprinter oder Ausreißer am Waseberg in Hamburg

Wer gewinnt die ADAC Cyclassics 2026? Sprinter oder Ausreißer am Waseberg in Hamburg
Bild: © Gesellschaft zur Förderung des Radsports mbH

Wer gewinnt die ADAC Cyclassics 2026? Sprinter oder Ausreißer am Waseberg in Hamburg

12. August 20263 Minuten Lesezeit

Die ADAC Cyclassics 2026 führen über 205 Kilometer von Buxtehude nach Hamburg. Teams mit Top-Fahrern kämpfen um den Sieg. Kann Titelverteidiger Townsend erneut überraschen?

Am 16. August 2026 rollt Nordeuropas bedeutendstes Eintagesrennen wieder durch Hamburg: Die ADAC Cyclassics schicken 22 Teams auf 205,3 Kilometer von Buxtehude bis zur Mönckebergstraße. Die zentrale Frage ist dieselbe wie in jedem Jahr, und doch fühlt sie sich 2026 besonders offen an: Holen sich die Sprinter ihren Massensprint, oder dreht ein Ausreißer das Rennen an der berüchtigten Rampe im Westen der Stadt?

Ein Startfeld mit Weltklasse-Qualität

Das Starterfeld umfasst 18 UCI WorldTeams und vier UCI ProTeams, darunter einige der besten Sprinter und Klassikerspezialisten der Welt. Zu den erwarteten Fahrern zählen Jasper Philipsen und Kaden Groves von Alpecin-Premier Tech, Biniam Girmay vom NSN Cycling Team, Jonathan Milan von Lidl-Trek, Olav Kooij vom Decathlon CMA CGM Team, Paul Magnier von Soudal Quick-Step sowie Søren Wærenskjold von Uno-X Mobility. Auch deutsche Fans kommen auf ihre Kosten: Routinier und Monument-Sieger John Degenkolb, Anfahrer Max Walscheid und Sprinter Phil Bauhaus werden erwartet.

Dazu kommt ein Name, der in diesem Sommer für Aufsehen gesorgt hat: Isaac del Toro vom UAE Team Emirates XRG. Der Mexikaner beendete die Tour de France 2026 als Dritter der Gesamtwertung und sicherte sich zudem das Weiße Trikot als bester Jungfahrer der Rundfahrt. Als Kletterer und Rundfahrtfahrer hat er auch bei hügeligen Eintagesrennen bereits überzeugt. Ob er in Hamburg nach dem Coup sucht, wird eine der spannenden taktischen Fragen des Renntags sein.

Der Waseberg entscheidet

Das Profirennen startet in Buxtehude im Landkreis Stade und führt über 206 Kilometer in die Hamburger Innenstadt. Auf dem Weg zur Entscheidung prägen fünf Passagen über den Waseberg in Blankenese das Finale. Von der Elbe bis zum höchsten Punkt müssen auf den knapp 500 Metern rund 60 Höhenmeter überwunden werden, was einer Durchschnittssteigung von 12 Prozent bei einem Maximum von 16 Prozent entspricht.

Besonders tückisch ist der Waseberg, weil der Anstieg unmittelbar nach einer scharfen Kurve beginnt, was einen abrupten Wechsel in Übersetzung und Trittfrequenz erzwingt. Wenn die Teams ihre Kapitäne in der Spitzengruppe positionieren wollen, kämpfen die Fahrer oft schon auf den engen Zufahrtsstraßen am Fuß des Anstiegs. Durch das mehrmalige Überfahren beim WorldTour-Rennen hat der Waseberg europaweit Kultstatus erreicht.

Die Streckengestaltung schafft ein Rennen irgendwo zwischen einem Sprinter-Klassiker und einem Kräftemessen für starke Eintags-Spezialisten. Reine Sprinter können gewinnen, aber nur, wenn sie die wiederholten Anstiege, das aggressive Fahren und den schwierigen Kampf um Position auf Hamburgs engen Stadtstraßen überstehen.

Titelverteidiger Townsend und die Ausreißer-Frage

Dass das Rennen offen ist, zeigt ein Blick auf die jüngere Geschichte: Im vergangenen Jahr gab es eine Überraschung, als kein Sprinter, sondern Ausreißer Rory Townsend gewann. Davor hatte Olav Kooij 2024 auf der Mönckebergstraße die Nase vorn. Die Cyclassics lassen sich nicht auf ein einziges Siegerprofil reduzieren.

Erstmals ausgetragen wurde das Rennen 1996. Schnell gewann es an Renommee: 1997 triumphierte Lokalheld Jan Ullrich nur Wochen nach seinem Tour-de-France-Sieg. Erik Zabel, Johan Museeuw, Paolo Bettini, Óscar Freire und Robbie McEwen reihten sich anschließend in die Siegerliste ein. Seit den späten 2000er-Jahren prägen die Sprinter den Klassiker, mit Erfolgen von Arnaud Démare, John Degenkolb, Alexander Kristoff, André Greipel, Caleb Ewan, Elia Viviani, Mads Pedersen und Olav Kooij. Townsends Sieg 2025 war also kein Betriebsunfall, sondern erinnerte daran, dass der Waseberg immer wieder Lücken reißt, die Ausreißer nutzen können.

Titelverteidiger Rory Townsend geht 2026 für Unibet Rose Rockets erneut an den Start. Sein Team stellt auch Dylan Groenewegen, einen der erfahrensten Sprinter im Feld. Dass beide in einem Aufgebot vereint sind, macht die taktische Ausgangslage für das Team besonders interessant: Sprintschutz oder Ausreißerchance?

Ziel: Mönckebergstraße, Zielankunft gegen 16:30 Uhr

Nach der fünften und finalen Überfahrt des Wasebergs verläuft der Parcours direkt in Richtung Ziel. Die letzten 15 Kilometer führen über bekannte Straßen wie die Elbchaussee, die Reeperbahn und den Holstenwall zurück zur Mönckebergstraße. Die Zieleinfahrt auf der Mönckebergstraße wird gegen 16:30 Uhr erwartet.

Das Zuschauen entlang der Strecke und im Zielbereich ist kostenlos. Wer live dabei sein will, findet am Waseberg einen der eindrucksvollsten Aussichtspunkte des gesamten Rennens: Dort lässt sich aus nächster Nähe erleben, wie 16 Prozent Steigung auf das Profifeld wirken. Vom 13. bis 16. August dreht sich am Hamburger Rathausmarkt alles um die ADAC Cyclassics. Bereits ab Donnerstag können die Startunterlagen für den Breitensport abgeholt werden, begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm und der Expo.

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