Der Chiemgau Trail Run findet bereits seit 2017 im Herzen des Achentals in der Gemeinde Marquartstein statt. Wenn die klare Bergluft den Blick auf die Chiemgauer Alpen freigibt, beginnt ein neues Kapitel des Chiemgau Trail Run. Am 24. Oktober 2026 war es soweit, gewählt werden konnte zwischen vier abwechslungsreichen Distanzen und unvergessliche Bergerlebnissen.
Zur Wahl standen dieses Jahr die S-Distanz mit 10,9 km und 508 Höhenmeter, die M-Distanz mit 21,5 km und 1218 Höhenmeter, die L-Distanz mit 41,8 km und 2572 Höhenmetern und die XL-Distanz mit 60,3 km und 3581 Höhenmetern. Ich habe mich nach meinem verpatzten diesjährigen Ziel, dem GGUT spontan für die XL-Distanz angemeldet. Eine sportliche Erfolgsgeschichte braucht das Jahr dann doch noch.
Bevor der Startschuss der XL-Distanz am Samstagmorgen um 6 Uhr fällt, konnte man am Vortag ab 15 Uhr seine Startunterlagen abholen. Hier wurde auch stichprobenartig die Pflichtausrüstung kontrolliert. Um 19 Uhr fand das sogenannte Racebriefing statt, bei welchen nochmal die wichtigsten Streckenabschnitte bekanntgegeben wurden, und die Pflichtausrüstung angepasst wurde. Zusätzlich wurde die XL-Strecke in diesem Jahr aufgrund der Schlechtwettervorhersage angepasst. 8 Kilometer und ca. 500 Höhenmeter auf die berühmt, berüchtigte Kampenwand sollten uns somit erspart bleiben. Mit meinen Startunterlagen machte ich mich also wieder auf den Weg zu unserer Unterkunft, um früh ins Bett zu kommen.
Kalt, aber motiviert
Als der Wecker um 4 Uhr früh klingelte, zeigte die Temperatur draußen 6 Grad, in kurzer Hose, Shirt und Laufjacke war es ordentlich frisch. Doch die Wettervorhersage versprach vorerst keinen Regen. Auf geht’s zum Kurpark. Schnell noch die Dropbag mit Ersatzsocken und -schuhen abgeben und los ging es zur erneuten Taschenkontrolle in den Startbereich. Um Punkt 6 Uhr der Startschuss – und tatsächlich fühlte ich mich ab dem ersten Schritt erstaunlich gut. Mit Stirnlampe ging es also auf die ersten Kilometer in der Dunkelheit. Leider hat das gute Gefühl nur bis zu km 2 angehalten. Über einen Stein, den ich leider in der Dunkelheit übersehen habe, habe ich mich grazil der Länge nach hingelegt. Da ich auf einem eher schmalen Singletrail unterwegs war, musste ich relativ schnell wieder auf die Beine und aus dem Läuferfeld. Mein rechtes Knie und Schienbein haben mich allerdings erstmal zu einer kurzen Pause gezwungen. Das Erste-Hilfe-Set sollte nun endlich mal zum Einsatz kommen, da ich mir am rechten Schienbein einen etwa 5 cm langen Cut zugezogen hatte. Die Blutung ließ sich mit einem Pflaster leider nicht unter Kontrolle bringen, sodass ich erst mal mit Pflaster und Mullbinde beschäftigt war. Nachdem alles saß, konnte es weiter gehen. Ich wollte das Rennen auf jeden Fall erstmal weiterlaufen, da die 2 Kilometer zurück zum Start für mich nicht in Frage kamen und bis zur ersten Verpflegungsstelle sind es „nur“ noch 5,5 km, zur Not kann ich dort immer noch aussteigen. An der Vorderalm angekommen habe ich ehrlich gesagt gar nicht mehr an aufhören gedacht und bin direkt weiter. Bei km 11,8 kam dann auch schon der höchste Punkt der Strecke, der Hochgern. Die Belohnung für den steilen Anstieg waren Schnee und frostige Temperaturen. Erstmal ein Foto mit dem Gipfelkreuz und weiter gings wieder runter ins Tal. Die nächste Verpflegungsstelle wartete bei km 16,5 dem Wegkreuz Agerschwendt-Jochberg, hier einmal Flasche auffüllen und ein Haps to go mitnehmen und weiter zur Bergader Alm. Jetzt waren es noch knapp 7 km zurück zum Kurpark wo uns Dropbag, Verpflegungsstelle 3 und der Durchlauf in die 2. Runde erwartet. Diese Verpflegungsstelle musste man bis 12 Uhr durchlaufen haben um auf den nächsten Abschnitt zu kommen und ich lag gut in der Zeit. Flasche auffüllen, ein Stück Käse und Wurst mitnehmen und gegen 11:30 Uhr konnte es weitergehen zur Hochplatte. Weil es an dieser VP wirklich viel Auswahl gab, habe ich meine Dropbag gar nicht gebraucht. Es folgte ein 5 km langer Uphill mit ca. 1000 HM zur Hochplatte, wo nochmal alle Energiereserven mobilisiert werden müssen. Beim Gipfelkreuz angekommen ist der Blick auf den Chiemsee überragend. Leider war ein Aufenthalt nicht lange möglich, da die Temperaturen bei gefühlten -13 °C lagen und ein heftiger Schneesturm bereits auf dem Weg nach oben eingesetzt hatte. Also Bilder machen und schnell den Downhill antreten. Kurz nach dem Abstieg wartet auch schon die letzte Verpflegungsstelle der Strecke auf uns. Hier wird nochmal alles aufgefüllt und dann ging es auf direktem Weg zurück nach Marquartstein ins lang ersehnte Ziel. Nach 9:45 Stunden komme ich als 15. Frau im Ziel an, nach zurückgelegten 53,5 km und 3.285 Höhenmetern. Ich bin unheimlich Stolz, trotz meinem verletzten rechten Bein die Strecke durchgezogen zu haben. Es hat zwar hier und da immer mal wieder gezwickt, aber der Gedanke aufzugeben kam nicht mehr. Mein Cut wurde im Erste-Hilfe-Zelt dann doch erstmal sauber gemacht und ordentlich verklebt. Ich hatte von meinem Sturz dann doch ein etwas längeres Andenken an den Chiemgau Trail Run.
Gesamtfazit: Anspruchsvoll, emotional, wunderschön
Der Chiemgau Trail Run sollte definitiv nicht unterschätzt werden. Wer steile, teils sehr technische An- und Abstiege mag ist hier genau richtig. Landschaftlich ist die Strecke absolut spektakulär – ein echtes Trailrunning-Highlight! Die komplette Veranstaltung ist von Anfang bis Ende top organisiert, liebevoll gestaltet und der Start-/Zielbereich ist richtig schön gemacht. Hier konnte in aller Ruhe und gemütlich noch das versprochene Finisherbier und ein Finisheressen zu sich genommen werden. Im Starterbeutel hat jeder Teilnehmer eine junge Fichte bekommen, um so ein Teil des Trails mit nach Hause nehmen zu können. Die Idee finde ich schön.




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