Hubert Karl (68) läuft mit 301,5 Kilometern zur besten Backyard-Ultra-Leistung seiner Altersklasse

Hubert Karl (68) läuft mit 301,5 Kilometern zur besten Backyard-Ultra-Leistung seiner Altersklasse
Picture: © SPOFERAN | Symbolbild (KI)

Hubert Karl (68) läuft mit 301,5 Kilometern zur besten Backyard-Ultra-Leistung seiner Altersklasse

August 16, 20262 minutes Reading time

45 Runden, kaum Pause, ein einziges Paar Schuhe: Der Unterfranke ging beim Last Soul Ultra an seine Grenzen und erzielte eine neue Weltbestmarke.

Mit 45 gelaufenen Runden und 301,5 Kilometern hat Hubert Karl beim Last Soul Ultra 2026 in Bornheim eine Marke gesetzt, die nach aktuellem Kenntnisstand kein gleichaltriger oder älterer Athlet weltweit bei einem Backyard Ultra je erreicht hat. Der 68-Jährige aus Zeil am Main beendete sein Rennen danach mit DNF, ein Ergebnis, das beim Format irgendwann auf alle bis auf eine einzige Person zutrifft. Karl lief damit deutlich über die Distanz hinaus, die er sich selbst als Ziel gesetzt hatte, und schrieb sich in die Geschichte der noch jungen Last-Soul-Ultra-Reihe ein, deren Favoritenfeld SPOFERAN im Vorfeld vorgestellt hatte.

Nur gut fünf Minuten Pause pro Runde

Die Zahlen hinter der Leistung zeigen, wie knapp Karl kalkuliert hat. Seine durchschnittliche Rundenzeit lag bei 54:42 Minuten, seine schnellste Runde absolvierte er in 50:21 Minuten, seine langsamste in 56:56 Minuten. Macht in Summe 41:01:16 Stunden reine Bewegungszeit bei nur 3:52:59 Stunden Pause über alle 45 Runden hinweg, im Schnitt blieben ihm zwischen zwei Runden also nur rund fünf Minuten.

Die Rundenzeiten können im Detail auf der SPOFERAN-Teilnahmeseite von Hubert Karl analysiert werden.

Zum Vergleich: Norman Junker, der zum Zeitpunkt von Karls Ausscheiden die mit Abstand geringste Bewegungszeit im gesamten Feld aufwies, kam nach ebenfalls 45 Runden auf insgesamt 11:30:20 Stunden Pause, fast dreimal so viel wie Karl. Wer so wenig Puffer hat wie der 68-Jährige, kann sich weder umziehen noch die Schuhe wechseln. Karl lief entsprechend alle 45 Runden im selben Paar Schuhe und in denselben Socken und kam, abgesehen von wenigen Minuten mit geschlossenen Augen, komplett ohne Schlaf durch das Rennen.

Diese Enge forderte auch ihren Tribut. Nach eigener Schilderung habe er sich zwischenzeitlich ein nasses Handtuch zu lange in den Nacken gelegt, das dort auskühlte und ihm einen steifen Nacken einbrachte. In den letzten Runden lief Karl deshalb sichtbar gekrümmt.

Vom Fußballtraining zum Mr. Spartathlon

Wer Karls Auftritt in Bornheim einordnen will, muss weiter zurückblicken. Der gelernte Diplom-Lauftherapeut aus Zeil am Main in Unterfranken, Jahrgang 1958, begann 1983 mit dem Laufen, ursprünglich nur, um seine Kondition für den Fußball zu verbessern. Daraus wurde eine der außergewöhnlichsten Laufkarrieren Deutschlands: mehr als 700 Wettkämpfe, darunter über 200 Ultramarathons und mehr als 200.000 gelaufene Kilometer. Bekannt ist Karl vor allem als „Mr. Spartathlon“, den 246 Kilometer langen Nonstop-Lauf von Athen nach Sparta hat er nach eigenen Angaben bereits mehr als 25 Mal beendet, öfter als jeder andere Läufer weltweit. 2024, im Jahr seines 66. Geburtstags, durchquerte er zudem in 60 Tagen die rund 3.900 Kilometer lange Route 66 von Chicago bis Los Angeles, begleitet von Frau und Bruder im Wohnmobil.

Beim Last Soul Ultra war Karl zunächst als einer von zwei 68-jährigen Startern im Feld unterwegs. Bereits nach 28 Runden hatte er den bisherigen deutschen Backyard-Ultra-Rekord in seiner Altersklasse hinter sich gelassen und sein Rennen bis zur 45. Runde fortgesetzt, ehe der steife Nacken und die kumulierte Belastung ihren Tribut forderten.

Der Last Soul Ultra 2026 läuft unterdessen weiter. Den aktuellen Rennstand findest du fortlaufend aktualisiert in der Gesamtwertung auf SPOFERAN.

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