Amanal Petros hat am 16. August 2026 in Birmingham Geschichte geschrieben. Mit dem Sieg im Marathon bescherte der Hannoveraner Deutschland die nächste Goldmedaille bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 2026 in Birmingham. Der WM-Zweite gewann das Rennen über die 42,195 Kilometer in Meisterschaftsrekordzeit von 2:09:11 Stunden und siegte überlegen nach einem fast 20 Kilometer langen Sololauf vor dem Italiener Pietro Riva (2:09:18) und Gashau Ayale aus Israel (2:09:21).
Machtdemonstration auf brutalem Kurs
Kurz nach dem Start im Herzen der Stadt wurden die Läufer auf eine fünf Kilometer lange, wellige Runde mit Auf und Ab und vielen Kurven geschickt, die sie achtmal absolvieren mussten. 15 Kilometer vor dem Ziel hatte Petros mit einer unwiderstehlichen Attacke auf dem brutal schweren Kurs alle Verfolger abgeschüttelt und lief fortan ein einsames Rennen. Dennoch lief er in 2:09:11 Stunden so schnell wie noch niemand zuvor bei einer EM.
„Mein Ziel war, früh alles klar zu machen", sagte der 31-Jährige, „das hat super geklappt". Den harten Kurs beschrieb Petros im ARD-Interview so: „Diese Strecke war furchtbar, es tut überall weh. Ziemlich viele Berge, mehr als 120 Kurven, das war eine riesengroße Herausforderung, aber ich habe mich in der Höhe von Kenia gut vorbereitet. Es hat sich gelohnt."
Als Petros sich der Ziellinie näherte, hatte er sich bereits eine Deutschland-Fahne am Streckenrand geschnappt und über die Schultern gehängt. Dann hob er die rechte Hand, schlug das Siegerband durch, ballte die Fäuste und schrie laut auf. Alle Anspannung fiel von dem für Hannover 96 startenden Topläufer ab und machte europameisterlicher Freude Platz.
Gold im Einzel, Silber im Team
Samuel Fitwi und Richard Ringer, der Titelträger von München 2022, sorgten mit den Plätzen 9 und 10 für Silber in der Teamwertung. Nach Ringer ist Petros damit erst der zweite deutsche Europameister im Marathon. Das DLV-Trio steht damit für eine bemerkenswerte Tiefe im deutschen Langstreckenlauf, die in dieser Form selten war.
Für Petros persönlich ist der Titel der Abschluss einer außergewöhnlichen Saison. Nach dem WM-Silber in Tokio holte er sich im Dezember in Valencia den deutschen Rekord zurück, den er auf 2:04:03 Stunden schraubte. Im Halbmarathon hält er mit 59:22 Minuten ebenfalls den deutschen Nationalrekord, aufgestellt beim Berlin Half Marathon 2026. Im Vorjahr hatte er Gold bei der WM in Tokio im Zielsprint hauchdünn verpasst: Alphonce Felix Simbu aus Tansania entriss ihm den Sieg noch mit drei Hundertstelsekunden Vorsprung. In Birmingham ließ er nichts anbrennen.
Von Eritrea nach ganz oben
Geboren in Eritrea kam Petros als jugendlicher Flüchtling nach Deutschland, brachte es mit einigem Talent und noch mehr Arbeitseifer zum Weltklasseläufer. In seiner neuen Heimat begann er zunächst mit Fußballspielen, ehe sein Lauftalent entdeckt wurde. Über erfolgreiche Wettkämpfe über 5 und 10 km entwickelte er sich schließlich zum Marathonläufer. Den EM-Titel widmete er seiner Mutter: „Sie ist meine Königin und mein Kraftspender."
In Hannover wird der Europameister gefeiert. Petros startet für Hannover 96 und ist damit eng mit der Laufszene der Landeshauptstadt verbunden. Dort läuft die Vorbereitung auf die nächste Saison bereits auf Hochtouren: Am 11. Oktober 2026 feiert der neue H/21 Halbmarathon Hannover seine Premiere, und am 10. und 11. April 2027 steht der ADAC Marathon Hannover mit dem 35. Jubiläum an, bei dem auch die Deutschen Marathon-Meisterschaften ausgetragen werden. Hannover bleibt das Zentrum des deutschen Langstreckenlaufs.





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