Am 11. Oktober 2026 findet der Bank of America Chicago Marathon in seiner 48. Auflage statt, und das Teilnehmerfeld ist so groß wie nie zuvor: Mehr als 55.000 Läuferinnen und Läufer aus über 100 Ländern und allen 50 US-Bundesstaaten werden an den Start gehen. Das Rennen, das seit 1977 zu den bekanntesten Stadtmarathons der Welt gehört, führt durch 29 Stadtteile Chicagos und zieht alljährlich über eine Million Zuschauer an die Strecke. Start und Ziel liegen im Grant Park, Startschuss ist um 7:30 Uhr Ortszeit.
Der Chicago Marathon ist Mitglied der Abbott World Marathon Majors und erzeugt nach Veranstalterangaben einen jährlichen wirtschaftlichen Effekt von über 756 Millionen US-Dollar für die Stadt. Vom 8. bis 10. Oktober findet im McCormick Place Convention Center die dreitägige Abbott Health & Fitness Expo statt.
Rekordfeld mit bemerkenswerten Einzelgeschichten
Was den Chicago Marathon 2026 über die schiere Größe hinaus auszeichnet, sind die Geschichten hinter den Startnummern. Darunter finden sich ein Air-Force-Veteran, der seinen 100. Marathon läuft, zwei Teilnehmer, die seit dem allerersten Rennen 1977 jede Ausgabe absolviert haben, ein Amputierter, der dank einer Laufprothese zum Marathonläufer wurde, und ein Rollstuhlfahrer aus Neuseeland im Eichhörnchenkostüm, der auf dem Weg zu allen sechs World Marathon Majors ist.
Thom Bateman aus Wilmette, Illinois, ehemaliger Soldat mit 26 Dienstjahren bei der US Air Force, wird in Chicago seinen 100. Marathonfinish feiern. Was vor 20 Jahren als Entschluss begann, gesund genug zu bleiben, um seine Kinder aufwachsen zu sehen, hat sich zu einer lebenslangen Leidenschaft entwickelt. Chicago ist für ihn dabei immer Heimstrecke geblieben, auch während seiner Zeit an verschiedenen Stationierungsorten quer durch die USA.
Randy Burt, 78, aus Antioch und Henry Kozlowski, 76, aus Wilmette stehen für eine besondere Form der Treue: Beide haben seit dem ersten Chicago Marathon am 25. September 1977 jede einzelne Ausgabe des Rennens finisht. Nun visieren sie gemeinsam die 50. Auflage als nächsten großen Meilenstein an.
Jacob Nur, 70 Jahre alt, kommt aus Elk Grove, Kalifornien, und greift in Chicago nach dem Weltrekord in der Altersklasse 70 bis 74. Der zweifache USATF Masters Runner of the Year hält bereits mehrere amerikanische und Weltrekorde in Altersklassen über Halbmarathon, 10 Meilen und 10 Kilometer. Eine Oberschenkelverletzung hatte ihn 2025 zur Aufgabe gezwungen. Der flache, schnelle Kurs in Chicago gilt als einer der rekordverdächtigsten im Weltmarathonkalender.
Läufer mit außergewöhnlichen Hintergründen
Leodhais Macpherson aus British Columbia lief 2025 an 128 aufeinanderfolgenden Tagen je einen Marathon, insgesamt mehr als 3.300 Meilen, um auf psychische Gesundheit aufmerksam zu machen und seinem verstorbenen Bruder Conor zu gedenken. Diese Leistung brachte ihm den Abbott World Marathon Majors World Tour Prize ein, der ihm Startplätze bei allen sechs Major-Marathons sichert. Chicago 2026 ist eine Station auf diesem Weg.
Matthew Haas aus North Saint Paul, Minnesota, ließ sich im Januar 2019 nach jahrelangen Komplikationen durch einen angeborenen Tumor am Fuß das Bein amputieren. Über die Challenged Athletes Foundation erhielt er seine erste Laufprothese. Seitdem hat er 60 Pfund abgenommen, seine mentale Gesundheit deutlich verbessert und sich schrittweise an längere Distanzen herangetastet. Chicago wird sein vierter Marathon, den er für die Children's Tumor Foundation läuft, die sich der Erforschung von Neurofibromatose widmet, jener Erkrankung, die seinen Tumor verursacht hatte.
Lee Warn aus Auckland, Neuseeland, tritt als Rollstuhlfahrer an und ist auf dem Weg, als erster Neuseeländer in dieser Kategorie alle sechs Abbott World Marathon Majors zu finishen. Chicago ist sein dritter Stern in der Serie. Bekannt ist er auch für sein Eichhörnchenkostüm, das er bei jedem Rennen trägt. Die Begründung ist einfach: Es bringt Menschen zum Lächeln. Warn begann nach einem Unfall mit gebrochenem Rücken mit dem Rennsport und bezeichnet den Sport als entscheidend für seinen Weg aus der Drogenabhängigkeit und zur psychischen Stabilität.
Joabe Barbosa aus Chicago ist nach eigenen Angaben der erste Mensch, der alle Straßen der Stadt abgelaufen hat, über 4.000 Meilen durch alle 77 Community Areas. Beim Chicago Marathon 2026 läuft er für die gemeinnützige Organisation My Block, My Hood, My City und schließt gleichzeitig die Bank of America Chicago Distance Series ab, nachdem er bereits den Shamrock Shuffle und den Chicago 13.1 in diesem Jahr absolviert hat.
Guy Conners trägt in diesem Jahr die Startnummer 321, die die Bank of America Chicago Distance Series seit Oktober 2023 bei jedem Event für einen neurodivergenten Athleten reserviert. Conners, der im Kindesalter mit Autismus diagnostiziert wurde, lief seinen ersten Marathon 2013 und ist inzwischen auch als Ultramarathonläufer aktiv.
Persönliche Kämpfe als Antrieb
Mykensie Halily aus Pennsylvania ist Krankenschwester und Para-Athletin. Sie hat Hodgkin-Lymphom überlebt, lebt mit Multipler Sklerose und hat in den vergangenen zwölf Monaten zwei Schwangerschaften verloren. Sie läuft in Chicago an der Seite ihrer Schwester.
Audrey Simons aus New York erlitt 2023 nach ihrem ersten Halbmarathon ein beidseitiges Kompartmentsyndrom, das sie zeitweise nicht mehr gehen ließ und eine aufwendige Operation erforderte. Nach drei Jahren Rehabilitation läuft sie kurz vor ihrem 26. Geburtstag die 26,2 Meilen durch Chicago.
Esfandiar Beikmohammadi aus Los Angeles kehrte nach einem schweren Unfall, der seine Bewegungsfähigkeit grundlegend in Frage stellte, über einen langen Rehabilitationsprozess zum Laufen zurück. Der Chicago Marathon markiert für ihn den Abschluss dieses Weges.
Ayo Baruwa aus London verlor 2022 seine Partnerin, die während des Lockdowns an Krebs erkrankt war. Laufen gab ihm nach ihrem Tod Struktur und Richtung. Er absolviert die Abbott World Marathon Majors in ihrem Gedenken. Giles Ashton-Roberts aus Norfolk, England, läuft seit Jahren für die Motor Neurone Disease Association, weil seine Mutter seit fast einem Jahrzehnt mit dieser Erkrankung lebt. Chicago wird sein fünfter Marathon in diesem Jahr.
Angela Mills aus Chicago, Mitglied der Black Chicago Runners, startet zum 17. Mal beim heimischen Marathon, diesmal im Gedenken an ihre Mutter und ihren kleinen Bruder, die bei einem Hausbrand ums Leben kamen. Timothy Gross, ebenfalls aus der Region Chicago, lief 1977 den allerersten Stadtmarathon mit 20 Jahren und kehrt nun mit fast 70 zurück, um einen neuen persönlichen Rekord anzusteuern. Seit seiner Rückkehr zum Laufsport 2016 hat er mehr als 500 Rennen absolviert.
Weitere Starter sind Chris Reyes aus Texas, der für die Alzheimer's Association läuft und seiner Mutter widmet, sowie Brittany Parish aus Missouri, die für Veteranen-Suizidprävention Bewusstsein schaffen will, und Brenda Hann aus Los Angeles, die acht Tage vor ihrem 62. Geburtstag durch die Straßen ihrer Geburtsstadt Chicago läuft.
Alle weiteren Informationen zum Rennen sind unter chicagomarathon.com verfügbar.





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