Ironman am Ammersee 2028? Herrsching prüft Austragung mit Triathlon-Langdistanz

Ironman am Ammersee 2028? Herrsching prüft Austragung mit Triathlon-Langdistanz
Fotografía: © SPOFERAN | Symbolbild (KI)

Ironman am Ammersee 2028? Herrsching prüft Austragung mit Triathlon-Langdistanz

July 23, 20263 minutos Tiempo de lectura

Herrsching will als dritter Ironman-Standort in Süddeutschland starten. Schwimmen im Ammersee, Radfahren im Landkreis – wie realistisch ist das Projekt?

Die Marke Ironman steht weltweit für die bekannteste Serie im Langdistanz-Triathlon: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen an einem Stück, organisiert von der gleichnamigen Ironman Group. Das Unternehmen richtet unter anderem die Weltmeisterschaften auf Hawaii und in Nizza aus und ist mit Hamburg und Frankfurt bereits an zwei deutschen Standorten vertreten. Für einen dritten Austragungsort in Süddeutschland sucht die Ironman Group seit Längerem nach einer geeigneten Region, die eine anspruchsvolle Strecke mit ausreichend touristischer und logistischer Infrastruktur verbindet.

Genau hier kommt der Ammersee ins Spiel. Im Sommer 2025 war bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Tourismus im Landkreis Starnberg (gwt) eine entsprechende Anfrage der Ironman Group eingegangen. Der Landkreis mit seinen Seen und der Nähe zu München gilt grundsätzlich als attraktiv für ein Event dieser Größenordnung, wie sich die Strecke konkret durch die Region ziehen könnte, klärten in der Folge Abstimmungsgespräche zwischen gwt, Gemeinde und Ironman Group.

Nun hat sich mit dem Herrschinger Gemeinderat erstmals ein politisches Gremium öffentlich mit dem Vorhaben befasst. Mit 14 zu 10 Stimmen sprach sich das Gremium am Montag dafür aus, die Machbarkeit einer möglichen Ironman-Austragung weiter prüfen zu lassen. Der Beschluss umfasst die Fortführung technischer, organisatorischer, finanzieller und rechtlicher Prüfungen für eine Veranstaltung mit möglichem Austragungsort Herrsching. Zugleich ermächtigte das Gremium Bürgermeister Christian Schiller, im Namen der Gemeinde eine unverbindliche Absichtserklärung abzugeben. Eine endgültige Entscheidung ist damit noch nicht gefallen, wie sowohl Schiller als auch die Ironman Group selbst betonen.

Auf Anfrage des Starnberger Merkur erklärte das Unternehmen, man prüfe regelmäßig Standorte, die zur eigenen Vision passen und sowohl für Teilnehmende als auch für die jeweilige Region einen Mehrwert bieten. Mit dem Landkreis Starnberg liefen aktuell konstruktive Gespräche, eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen.

Format und Teilnehmerzahl noch offen

Fest steht laut Christian Schiller, dass die Ironman Group neben ihren bestehenden deutschen Standorten Hamburg und Frankfurt einen weiteren Austragungsort in Süddeutschland etablieren möchte. Ob dabei die Langdistanz mit 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen zum Einsatz käme oder die halbierten Distanzen der Ironman-70.3-Variante, ist noch nicht entschieden.

Auch zur Teilnehmerzahl gibt es noch keine verbindlichen Angaben. Gwt-Tourismusmanager Werner Schmidt rechnet bei einer ersten Austragung mit 800 bis 1.000 Startenden, hält aber auch bis zu 3.500 Teilnehmende für möglich. Angestrebt wird laut Schiller zunächst eine Vereinbarung über drei Jahre mit Start im Jahr 2028.

Schwimmen in der Herrschinger Bucht, Wechselzone am Sportplatz

Beim Streckenverlauf ist der Planungsstand konkreter. Weil auf das Schwimmen im See unmittelbar das Radfahren folgt, braucht es eine ausreichend große Wechselzone in unmittelbarer Nähe zum Ufer. Diese Bedingung erfüllen im gesamten Landkreis nur zwei Orte: Percha und Herrsching. Die Wahl fiel auf Herrsching, mit dem Sportplatz am See und den Sportanlagen der Realschule als möglichen Wechselzonen. An den entsprechenden Abstimmungsgesprächen nahm auf Wunsch der gwt auch Felix Schiller teil, der Sohn des Bürgermeisters und selbst international erfahrener Triathlet mit Starts unter anderem auf Hawaii.

Die Schwimmstrecke würde demnach durch die Herrschinger Bucht führen, die Radstrecke durch den Landkreis, die Laufstrecke entlang des Ammersee-Ostufers.

Kostenfrage: Beitrag ausschließlich über Sponsoring und Sachleistungen

Am 7. Juli wurde das Projekt bereits der Gesellschafterversammlung der gwt vorgestellt. Die Mitgliedsgemeinden und weiteren Gesellschafter sprachen sich dort einstimmig dafür aus, die grundsätzliche Machbarkeit weiter zu prüfen, allerdings unter einer klaren Bedingung: Weder der Landkreis noch die einzelnen Kommunen sollen mit erheblichen Kosten belastet werden. Der von der Ironman Group erwartete regionale Beitrag von rund 250.000 bis 300.000 Euro soll ausschließlich über Sponsoring, Sach- und Dienstleistungen, ehrenamtliches Engagement sowie die Bereitstellung kommunaler Flächen aufgebracht werden.

Landrat Stefan Frey hat die Bürgermeister aller Landkreiskommunen für Dienstag, 28. Juli, zu einer Dienstbesprechung eingeladen, bei der das Vorhaben erneut beraten werden soll.

Geteilte Meinungen im Gemeinderat

Christian Schiller sieht in der Veranstaltung Potenzial für die gesamte Region und verweist auf die Challenge Roth in Mittelfranken, zu der regelmäßig 250.000 bis 300.000 Zuschauer anreisen. Gleichzeitig räumt er ein, dass es an einem Renntag zu Einschränkungen kommen werde, und zeigt Verständnis für kritische Stimmen.

Im Gemeinderat selbst gingen die Einschätzungen auseinander. Christiane Gruber (BGH) hält die Dimension der Veranstaltung für zu groß für die Gemeinde. Gerd Mulert (Grüne) hingegen sieht kein Problem darin, ein Wochenende mit erhöhtem Trubel zu verkraften. Wolfgang Schneider (SPD) erhofft sich durch das internationale Format einen Impuls für den Ort, dessen Publikum im Schnitt eher älter sei. May-Britt Stumbaum (CSU) rechnet mit einem jungen, familiären Publikum und zusätzlichen Einnahmen für die Gemeinde. Auch gwt-Vertreter Werner Schmidt sieht trotz der zu erwartenden Belastungen insgesamt einen Nutzen für die Region.

Ob aus der Absichtserklärung tatsächlich ein Ironman am Ammersee wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Neben der Machbarkeitsprüfung dürfte vor allem die Frage im Mittelpunkt stehen, ob sich der erwartete Finanzierungsbeitrag ohne kommunale Mittel stemmen lässt.

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