Die Frauen-Siegerinnen des Labertal-Laufs: Mariana Roth und Franziska Bichlmeier im Interview

Die Frauen-Siegerinnen des Labertal-Laufs: Mariana Roth und Franziska Bichlmeier im Interview
Bild: © Theo Kiefner; Josef Reiseck (KI-gestützte Collage der Redaktion)

Die Frauen-Siegerinnen des Labertal-Laufs: Mariana Roth und Franziska Bichlmeier im Interview

6. Oktober 20265 Minuten Lesezeit

Mariana Roth und Franziska Bichlmeier gewinnen beim Labertal-Lauf und werden Niederbayerische Meisterinnen. Im Interview erzählen sie von ihren Wegen und Zielen.

Mariana Roth gewinnt die zehn Kilometer in 38:25 Minuten und wird Niederbayerische Meisterin. Franziska Bichlmeier läuft über fünf Kilometer 18:40 Minuten, gewinnt die Frauenwertung und sichert sich zugleich den niederbayerischen U16-Titel. Hinter den beiden Siegen stehen zwei bemerkenswert unterschiedliche Geschichten – über einen persönlichen Freiraum im Alltag und über ein junges Lauftalent, das gerade lernt, seiner eigenen Stärke zu vertrauen.

Ein Ergebnisprotokoll erzählt viel – und manchmal fast nichts.

Bei Mariana Roth stehen dort für den Labertal-Lauf 38:25 Minuten, Platz eins bei den Frauen und der Titel der Niederbayerischen Meisterin über zehn Kilometer. Bei Franziska Bichlmeier sind es 18:40 Minuten, der Sieg über fünf Kilometer – und ebenfalls ein Meistertitel: Im Rahmen der Niederbayerischen Jugendmeisterschaften über 5 km gewann sie die weibliche U16.

Zwei Siegerinnen an demselben Vormittag in Hirschling. Und zwei Wege zum Laufsport, die kaum unterschiedlicher sein könnten.

Für die eine ist das Laufen zu einem Freiraum in einem fordernden Alltag geworden. Die andere gehört noch der U16 an, blickt auf eine starke Bahnsaison zurück und formuliert bereits den Traum, eines Tages für Deutschland zu starten.

Mariana Roth: Wenn Laufen zum Freiraum wird

Mariana Roth selbst scheint über ihre Entwicklung manchmal beinahe genauso erstaunt zu sein wie andere.

„Wer hätte überhaupt vor einem Jahr gedacht, dass ich so weit komme?“, schreibt sie nach ihrem Sieg beim Labertal-Lauf. „Ich bin früher nie gelaufen.“ Heute läuft sie zehn Kilometer in 38:25 Minuten.

Aber wer Roth nach dem Grund fragt, weshalb sie überhaupt läuft, bekommt zunächst keine Antwort über Zwischenzeiten, Trainingsbereiche oder Wochenkilometer. „Für mich ist Laufen kopffrei.“

Roth ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern und arbeitet als Pflegefachhelferin. Das Laufen beschreibt sie als jene Zeit des Tages, in der der Alltag für einen Moment zurücktritt. „Laufen ist für mich Therapie. Ich vergesse all meine Probleme für ein bis zwei Stunden.“

Es ist ein bemerkenswerter Kontrast zum Leistungssport, der häufig über Trainingspläne, Leistungsdiagnostik und minutiöse Vorbereitung erzählt wird. Roth beschreibt ihren eigenen Zugang ganz anders. Einen festen Trainingsplan habe sie nicht. Einen Marathon, erzählt sie, habe sie dennoch bereits geschafft.

Auch beim Labertal-Lauf fehlte es ihr keineswegs an sportlichem Ehrgeiz. Sie sei mit dem Ziel gestartet, eine gute Platzierung zu erreichen. Und ja, gewinnen wollte sie ebenfalls. „Mit meiner Zeit von 38:25 bin ich sehr zufrieden und über meinen Titel umso mehr“, sagt Roth.

Das Ergebnis bestätigt beides: Sie gewann nicht nur die offene Frauenwertung des Zehn-Kilometer-Laufs, sondern zugleich die Niederbayerische Meisterschaft. Dass dieser Erfolg beim Labertal-Lauf gelang, hat für sie noch eine weitere Bedeutung. Roth startet für den TV Geiselhöring; Hirschling ist für sie ein Heimrennen. „Die Unterstützung von meinen Vereinskollegen macht ihn für mich besonders“, sagt sie.

Nicht unbedingt die Straße

Wer angesichts einer 38er-Zeit über zehn Kilometer vermutet, Roth sehe ihre sportliche Zukunft vor allem auf schnellen Straßenkursen, liegt möglicherweise falsch.

Sie schwärmt vielmehr vom Trailrunning. Technik, wechselnder Untergrund, Ausdauer – genau diese Mischung fasziniert sie. „Traillauf wäre eher meins.“ Auch darin zeigt sich ihr Zugang zum Sport. Roth scheint weniger daran interessiert zu sein, sich in eine bestimmte Läuferkategorie einordnen zu lassen, als daran herauszufinden, was noch möglich ist.

Und 2026 ist für sie noch nicht beendet. „Ich habe noch ein paar Läufe, will sehen, was noch geht“, schreibt sie. „So wie ich mich kenne, werde ich alles geben.“

Den Ehrgeiz verbindet sie ausdrücklich mit ihrer eigenen Lebensgeschichte. Roth stammt aus Rumänien und hat sich nach eigener Aussage Deutsch selbst beigebracht. Aufgeben, schreibt sie, sei weder beim Laufen noch im Alltag ihre Art.

Das nächste große sportliche Ziel ist dementsprechend nicht klein gewählt. Sie möchte irgendwann einen Ironman bestreiten. „Alles ist möglich. Man soll immer ein Ziel haben.“

Franziska Bichlmeier: Erst Erleichterung, dann Überraschung

Franziska Bichlmeier benötigte für die fünf Kilometer 18:40 Minuten. Damit gewann die Läuferin des LAC Passau nicht nur die Frauenwertung des Laufs, sondern sicherte sich zugleich den Titel der Niederbayerischen Meisterin in der weiblichen U16.

Was sie unmittelbar nach dem Zieleinlauf empfand? Nicht Triumph. Zunächst einmal Erleichterung.

„Fünf Kilometer können schon ganz schön anstrengend sein.“

Erst anschließend erfuhr sie ihre Zeit. „Umso glücklicher war ich, als mir dann die Zeit gesagt wurde“, erzählt Bichlmeier. „An diesem Tag habe ich nicht wirklich mit so einer guten Leistung gerechnet.“

Dabei kommt ihre Entwicklung keineswegs aus dem Nichts. Bichlmeier spricht von einer „unglaublich guten Bahnsaison“, von einem gestiegenen Trainingspensum und von Plänen, die ihr Trainer sehr genau auf sie abstimme.

Den größten Fortschritt verortet sie allerdings nicht zuerst in den Beinen. Sondern im Kopf.

„Das Größte, was sich verändert hat, ist mein Mindset“

Früher sei sie anders in Wettkämpfe gegangen. Heute versuche sie, ohne Angst an der Startlinie zu stehen, Spaß zu haben und das Beste aus sich herauszuholen. Auch Ernährung und Training hätten inzwischen einen höheren Stellenwert.

„Ich glaube, das Größte, was sich verändert hat, ist mein Mindset.“

Die erfolgreiche Bahnsaison habe dieses Selbstvertrauen zusätzlich verstärkt. „Wenn man weiß, was man im Training und bei den großen Rennen geleistet hat, steht man ganz anders an der Startlinie“, sagt Bichlmeier.

Beim Labertal-Lauf wusste sie deshalb vor allem eines: Ganz gleich, wie das Rennen ausgehen würde, sie konnte ihrer Form vertrauen. Das bedeutete allerdings nicht, einfach loszustürmen. Im Gegenteil.

Die schwierige Kunst, nicht zu schnell zu laufen

Bichlmeier ist die kürzeren Strecken auf der Bahn gewohnt. Dort sei das Tempo höher, die Abwechslung größer, die Zeit vergehe gefühlt schneller.

Fünf Kilometer auf der Straße verlangen eine andere Form der Geduld. „Mir persönlich fiel es echt schwer, diese Geduld aufzubringen, um über die fünf Kilometer bloß nicht zu schnell anzugehen“, sagt sie. „Weil sich das am Ende sofort rächt.“

Für Hirschling nahm sie sich deshalb vor, den Beginn zu kontrollieren. Den ersten Kilometer lief sie in 3:45 Minuten. Kurz darauf fand sie eine Gruppe, an die sie sich anhängte.

„Ich wusste nicht, wie lange ich mithalten werde“, erzählt sie. Aber die Gruppe habe geholfen: Einen großen Teil des Rennens musste sie dadurch nicht alleine bestreiten. Am Ende stand eine Zeit von 18:40 Minuten – und der Sieg.

Konkurrentinnen, die zu Freundinnen werden

Vielleicht erzählt eine andere Antwort noch mehr darüber, was Bichlmeier am Laufsport gefällt.

Natürlich mache das Wettkämpfen Spaß, sagt sie. Besonders gerne laufe sie gegen jene Konkurrentinnen, denen sie regelmäßig begegnet. Nur sind viele von ihnen inzwischen nicht mehr ausschließlich Konkurrentinnen.

„Ich laufe gerne mit meinen Konkurrentinnen, mit denen ich mittlerweile auch oftmals befreundet bin.“

Auch ihr Training ist kein ausschließlich einsames Projekt. Bei längeren Dauerläufen oder Schwellen-Einheiten begleiten ihre Eltern sie gerne auf dem Fahrrad. Am meisten Spaß machen ihr allerdings die Einheiten im Wald: Intervalle im Gelände. „Das liegt mir einfach total.“

Der Traum vom Nationaltrikot

Fragt man Bichlmeier nach ihrem großen sportlichen Ziel, fällt die Antwort deutlich aus.

„Mein größtes Ziel ist es, international für Deutschland zu starten sowie eine Medaille bei Deutschen Meisterschaften.“

Für eine U16-Athletin ist das ein ambitionierter Blick nach vorne. Fast wichtiger ist deshalb der zweite Teil ihrer Antwort.

Zunächst wolle sie gesund und verletzungsfrei bleiben. Und der Spaß am Laufen solle „immer an erster Stelle“ stehen. Es ist ein Satz, der am Ende auch die Verbindung zwischen zwei Siegerinnen herstellt, deren sportlicher Alltag ansonsten wenig gemeinsam hat.

Mariana Roth beschreibt das Laufen als jene ein oder zwei Stunden, in denen der Kopf frei wird. Franziska Bichlmeier betreibt ihren Sport bereits mit ambitionierten Zielen und strukturiertem Training – will sich aber genau jene Freude bewahren, die sie überhaupt erst antreibt.

In Hirschling führten beide Wege an diesem Samstag zum Sieg.

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