Mainova Frankfurt Marathon 2026: Das sind die Chancen der deutschen Topstars

Mainova Frankfurt Marathon 2026: Das sind die Chancen der deutschen Topstars
Bild: © Mainova Frankfurt Marathon

Mainova Frankfurt Marathon 2026: Das sind die Chancen der deutschen Topstars

23. Oktober 20263 Minuten Lesezeit

Das Rennen am Sonntag verspricht Spannung mit Petros, Fitwi und Ringer als Favoriten. Auch bei den Frauen und in der Altersklasse M50 sind Rekorde möglich.

Zwei Tage vor dem Startschuss hat der Mainova Frankfurt Marathon 2026 alle Zutaten für ein historisches Rennen beisammen. Mit 19.720 gemeldeten Marathonläufern und 32.828 Teilnehmern über alle Wettbewerbe hinweg bricht die 43. Auflage des Laufklassikers am Main gleich mehrere Rekorde, noch bevor der erste Kilometer gelaufen ist. Und auch auf der Strecke könnte es am Sonntag eng werden mit bestehenden Bestmarken.

Das deutsche Trio: Freunde, Konkurrenten, Rekordkandidaten

Selten hat ein Marathon die drei schnellsten deutschen Läufer aller Zeiten gleichzeitig an der Startlinie versammelt. Amanal Petros, Samuel Fitwi und Richard Ringer gehen gemeinsam in das Rennen, und alle drei haben realistische Aussichten auf persönliche Bestzeiten.

Petros (Hannover 96) hält mit 2:04:03 Stunden den deutschen Rekord und träumt in Frankfurt von mehr. Auf die Frage, ob er den Europarekord des Belgiers Bashir Abdi von 2:03:36 Stunden angreifen will, antwortete er knapp: „Wenn das Wetter passt, dann kann es passieren." Damit würde er nebenbei auch den Streckenrekord brechen, den Wilson Kipsang 2011 mit 2:03:42 Stunden aufgestellt hatte. Petros hat im August bei der EM in Birmingham seinen ersten großen internationalen Titel geholt und kommt mit einer starken Vorbereitung aus Kenia nach Frankfurt.

Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier) lief im April beim Hamburg-Marathon 2:04:45 Stunden und hält damit die deutsche Jahresbestzeit. Auch er sieht in Frankfurt die Chance, unter seinen Rekord zu tauchen: „Der deutsche Rekord ist auf der flachen Strecke in Frankfurt möglich. Ich bin gut vorbereitet und möchte auf jeden Fall meine persönliche Bestzeit unterbieten."

Richard Ringer (LC Rehlingen), Europameister von München 2022, geht das Rennen etwas vorsichtiger an. Nach einem muskulären Problem nach der EM in Birmingham setzte er in der Vorbereitung alles auf eine Karte, und es hat nach eigener Aussage funktioniert. Seine offizielle Bestzeit liegt bei 2:05:46 Stunden, im Frühjahr lief er in Boston auf der nicht rekordkonformen Strecke 2:04:47 Stunden.

Alle drei gewannen gemeinsam Silber in der Teamwertung bei der EM in Birmingham. Petros beschreibt die Konstellation so: „Wir drei sind nicht nur Konkurrenz, sondern seit vielen Jahren befreundet. Wir pushen uns gegenseitig, und wir haben uns lieb."

Ob das deutsche Trio am Ende tatsächlich vorne landet, ist offen. Frankfurt-Sieger Benard Biwott (Kenia, 2:05:25 Stunden) und der Äthiopier Andualem Belay (2:04:44 Stunden) wollen ebenfalls gewinnen. Belay macht keinen Hehl daraus: „Wir wissen, dass die deutschen Läufer sehr schnell sind. Aber wir versuchen, gegen alle zu gewinnen, egal, woher sie kommen."

Frauenrennen: Yimer auf Streckenrekordkurs, Dörfel feiert Premiere

Bei den Frauen führt Zeineba Yimer (Äthiopien) die Startliste mit einer Bestzeit von 2:18:47 Stunden an. Die 28-Jährige kommt in starker Form nach Frankfurt und will ihre Bestmarke unterbieten. Der Streckenrekord von 2:17:25 Stunden, den Hawi Feysa 2024 aufgestellt hat, liegt dabei in Reichweite. Yimer selbst sagt: „Ich weiß, dass die Strecke in Frankfurt schnell ist. Das will ich nutzen."

Mit Betsy Saina kehrt eine weitere bekannte Läuferin zurück. Die US-Amerikanerin mit einer Bestzeit von 2:19:17 Stunden kommt nach einer Babypause und will neben einer starken Zeit auch den Einlauf in die Festhalle genießen.

Besonderes Interesse gilt dem Marathondebüt von Blanka Dörfel (Berliner Athletics CC). Die 24-jährige Berlinerin, die im Mai beim Mainz-Halbmarathon 68:06 Minuten lief und kurz zuvor den deutschen Meistertitel über 10.000 Meter gewann, bereitet sich seit rund zweieinhalb Monaten im Höhentraining in Boulder, USA, vor. Ihr Ansatz für die Premiere ist ungewöhnlich: Sie läuft ohne Uhr. „Ich möchte mich vor allem gut fühlen und in meinen Flow kommen. Laufen macht Spaß, es ist ein Gefühl von Freiheit und Groove. Das will ich auch in den Wettkampf einbringen", sagt sie. Ihr Debüt gilt als eines der vielversprechendsten einer deutschen Läuferin seit Jahren.

Kiptoo jagt Weltbestleistung der Ü50

Eine weitere Geschichte schreibt Mark Kiptoo, der Frankfurt-Sieger von 2014. Der mittlerweile 50-jährige Kenianer will die seit 1991 bestehende Weltbestleistung in der Altersklasse M50 von 2:19:29 Stunden unterbieten. Anfang Oktober hatte er bereits die Halbmarathon-Weltbestmarke seiner Altersklasse mit 63:17 Minuten gebrochen. Mehr dazu, was Kiptoos Projekt bedeutet, gibt es im Porträt über den Rekordläufer auf SPOFERAN.

Ende einer Ära: Jo Schindler verabschiedet sich

Das Rennen am Sonntag markiert auch das Ende einer langen Amtszeit. Jo Schindler steht nach 25 Jahren zum letzten Mal als Renndirektor an der Spitze des Mainova Frankfurt Marathon. Er hat das Rennen zu einem international anerkannten Top-Event entwickelt, unter anderem mit dem ikonischen Zieleinlauf in die Frankfurter Festhalle und dem Beitritt als Gründungsmitglied der European Marathon Classics in diesem Jahr. Im kommenden Jahr übernimmt der Frankfurter Holger Kranz die Leitung.

„Die Vorfreude überwiegt gegenüber der Wehmut", sagt Schindler. „Wenn man 25 Jahre gemeinsam mit einem großartigen Team eine Veranstaltung organisiert und weiterentwickelt, hat man eine emotionale Beziehung. Es ist ein Moment, stolz zu sein, und dann eine Veranstaltung zu übergeben, die eine große Zukunft hat."

Der Livestream des Rennens ist am Sonntag unter www.frankfurt-marathon.com abrufbar.

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