Kurz vor dem Startschuss hat der Vienna City Marathon 2026 sein Elitefeld komplettiert. Am Sonntag, dem 19. April, findet der 43. Vienna City Marathon statt — und die versammelten Athletinnen und Athleten lassen ein Rennen erwarten, das in die Geschichte des Wiener Frühjahrsklassikers eingehen könnte.
Frauenrennen: Streckenrekord in Reichweite
Betty Chepkemoi kommt als Titelverteidigerin zurück nach Wien. Die Kenianerin hatte den Vienna City Marathon 2025 bei Eiseskälte überlegen in 2:24:14 Stunden gewonnen. Dabei verbesserte sie ihre Bestzeit um mehr als zehn Minuten. Nun will sie nachlegen: „Ich freue mich sehr darauf, nach Wien zurückzukommen. Dieser Erfolg hat mir sehr viel Selbstvertrauen für meine Zukunft im Marathon gegeben. Mein Ziel ist es, eine persönliche Bestzeit zu laufen und wenn möglich zum zweiten Mal hier zu gewinnen", sagte Chepkemoi.
Doch der Weg zur Titelverteidigung wird schwer. Zwei Äthiopierinnen sind in der Favoritinnenrolle: Haftamnesh Tesfaye mit einer Bestzeit von 2:20:13 Stunden und Tigist Gezahagn, die in diesem Jahr in 2:21:14 bereits den Sieg beim Doha-Marathon holte, kommen mit vielversprechenden Leistungen nach Wien. Beide haben das Potenzial, den Streckenrekord zu unterbieten. Diesen hält seit 2022 die Kenianerin Vibian Chepkirui mit 2:20:59. Bei idealen Bedingungen könnte Wien sogar einen Angriff auf die erste Frauenzeit unter 2:20 Stunden in Österreich erleben.
Tigist Gezahagn bringt dabei eine außergewöhnliche Biografie mit. Sie sicherte sich bei den Paralympischen Spielen in Paris 2024 Äthiopiens erste Medaille, als sie Gold im 1500m-T13-Lauf gewann und damit ihren Tokio-Titel erfolgreich verteidigte. Nun hat sie den Streckenrekord von 2:20:59 Stunden im Visier. „Tigist hat sich nach Doha gut erholt und ihre Vorbereitung auf Wien verläuft sehr positiv. Wenn die Wetterbedingungen passen, ist eine sehr starke Leistung möglich", sagte ihr Manager Tadesse Abraham.
Haftamnesh Tesfaye wiederum kehrt nach einer langen Auszeit zurück ins Wettkampfgeschehen. Die 31-Jährige lief ihre Bestzeit von 2:20:13 beim Marathondebüt in Dubai 2018, unterbrach ihre Karriere 2020 für mehrere Jahre und wurde Mutter zweier Söhne. Nun bestreitet sie ihren ersten Marathon seit ihrer Rückkehr. Für Wien hat sie sich in der Trainingsgruppe von Gemedu Dedefo in Addis Abeba vorbereitet, zu deren Mitgliedern unter anderem die ehemalige Weltrekordhalterin Tigst Assefa und die aktuelle Chicago-Marathon-Siegerin Hawi Feysa gehören.
Mit Lindsay Flanagan ist zudem eine starke Läuferin aus den USA am Start.
Männerrennen: Kibrom als Topfavorit
Oqbe Kibrom wird als Favorit beim Vienna City Marathon am 19. April starten. Der Läufer aus Eritrea, der mit einer Bestzeit von 2:05:37 Stunden die derzeitige Startliste anführt, war beim bedeutendsten österreichischen Straßenrennen vor vier Jahren bereits Dritter. Dass Kibrom die Qualität eines Champions hat, beweisen mehrere Top-Leistungen: Dreimal lief er bereits unter 2:06:00 Stunden, in Berlin erreichte er 2024 als Achter seine Bestzeit von 2:05:37.
Kibrom wird von zwei Afrikanern herausgefordert, die ebenfalls zuletzt starke Zeiten erzielt haben: Der Äthiopier Tafese Delegen lief in Sevilla 2:06:11, Stanley Kurgat aus Kenia erzielte in Berlin 2:07:05. Eine gute Rolle spielen kann auch Albert Kangogo. Der Kenianer wurde im Dezember im türkischen Mersin mit 2:07:26 Zweiter und kennt den Vienna City Marathon bereits gut, denn er war hier vor zwei Jahren Dritter.
Auch Mica Cheserek ist wieder dabei. Der Kenianer hatte beim VCM 2025 mit 2:10:23 Stunden Platz zwei belegt und gehört damit zu den erfahrensten Läufern im Feld. Aus österreichischer Sicht richtet sich der Blick auf Aaron Gruen. Eine gute Platzierung ist auch Österreichs Rekordhalter Aaron Gruen zuzutrauen, der im vergangenen Jahr in den USA als erster Österreicher eine Zeit von unter 2:10:00 erreichte (2:09:53). „Diese Läufer haben Spitzenleistungen erbracht, die deutlich über meiner eigenen Bestzeit liegen. Das Rennen verspricht daher ein sehr hohes sportliches Niveau. Für mich wird es eine echte Herausforderung", sagte Gruen, der erstmals in Österreich einen Marathon laufen wird.
Rekordteilnahme und neues Rennformat
Über 46.000 Athletinnen und Athleten haben sich für die 43. Ausgabe des Vienna City Marathon angemeldet, davon werden 13.000 auf der Marathondistanz starten. Der VCM ist nicht nur Österreichs größtes Aktivsportevent, sondern führt als einziger Marathon des Landes das World Athletics Elite Label.
Der Vienna City Marathon bildet gemeinsam mit sieben anderen Rennen die neue Serie European Marathon Classics. Das einzige deutsche Rennen in dieser Serie ist der Mainova Frankfurt-Marathon. Der London-Marathon ist die prestigeträchtigste Veranstaltung der European Marathon Classics, zu denen außerdem die Läufe in Rom, Madrid, Lissabon, Warschau und Kopenhagen gehören.
Neu im Programm ist 2026 der Tchibo Coffee Run 10K. Dieser Bewerb startet um 8 Uhr auf der Reichsbrücke und ist damit der Auftakt für den großen Sonntag. Nach den zehn Kilometern wartet im Ziel nicht nur Applaus, sondern auch Kaffee und Wiener Gebäck. Das Eliterennen beginnt eine Stunde später und könnte, wenn die Bedingungen stimmen, mit einem neuen Streckenrekord enden.







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