Ein Berg zum verlieben

Ein Berg zum verlieben
Obrázek: © Stephanie Schreiber

Ein Berg zum verlieben

3. listopad 20265 minutes Doba čtení

Der Großglockner-Ultratrail bietet auf drei Strecken in vier Rennen entlang des höchsten Bergs Österreichs alles was das Trailrunning-Herz begehrt.

Der Großglockner-Ultratrail bietet auf drei Strecken in vier Rennen entlang des höchsten Bergs Österreichs alles was das Trailrunning-Herz begehrt.

GGUT, was verbirgt sich dahinter? Man hat die Qual der Wahl zwischen dem Großglockner-Ultratrail (GGUT) über 110 Kilometer mit 6500 Höhenmetern, also einmal rundum das Bergmassiv mit Start und Ziel in Kaprun. Dem Osttirol-Trail (OTT) mit 84 Kilometern und 5000 Höhenmetern mit Start an der Talstation Enzingerboden und Ziel in Kaprun. Dem Großglockner-Trail (GGT) über 57 Kilometer mit rund 3500 Höhenmetern mit Startschuss in Kals am Großglockner und Ziel am Kitzsteinhorn in Kaprun. Dem Weissee-Gletschertrail (GWT) mit 37 Kilometern und 1500 Hohenmetern mit Start und Ziel identisch mit dem Osttirol-Trail. Die kürzeste der fünf Strecken bietet der Kaprun Scenic Trail (KST) mit 16 Kilometern und knapp 1000 Höhenmetern mit Start und Ziel in Kaprun.

Zusätzlich gibt es noch zwei Wettbewerbe für die kleinen Trailfans. Kinder können hier zwischen 1 und 3,5 Kilometern und bis zu 120 Höhenmeter aus 4 Wettbewerben wählen.

Auf der Veranstaltungshomepage lockt der GGUT mit der einzigartigen Landschaft des Nationalparkt Hohe Tauern. Es geht durch drei Bundesländer, sechs Gemeinden, sieben Täler und zweimal über den Alpenhauptkamm. Die 14 Gletscher und ca. 300 Gipfel mit 3.000 Metern lassen mich schwach werden. Ich fühle mich gut vorbereitet und motiviert und entscheide mich zum Abschluss des Jahres für die Königsdistanz von 110 Kilometer fürs kommende Jahr. Da man für die Strecke ein Zeitlimit von 29 Stunden hat, bin ich guter Dinge.

Kaprun

Da es in Kaprun eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten gibt, haben wir unsere Unterkunft auch direkt im Zentrum gebucht. Eine lange Anreise zum Start um 21:30 Uhr hat man sich somit gespart und ist nach Zieleinlauf auch schnell in der Nähe von Dusche und Bett.

Unsere Reise nach Kaprun beginnt schon am Donnerstag. Da am Freitagabend bereits der Startschuss fällt, haben wir genug Zeit eingeplant um uns im Start- und Zielbereich noch ein bisschen umzuschauen und in Ruhe die Startunterlagen abzuholen.

Da es für alle Strecken eine Mindestausrüstung gibt, die vor dem Start kontrolliert wird, mache ich mich mit meinem Starterbeutel bepackt auf den Weg zurück zur Unterkunft. Bergversicherung, Stöcke, Trailrunningschuhe, Laufrucksack, aufgeladenes Mobiltelefon, Trinksystem, Trinkbecher, Erste-Hilfe-Set, Signalpfeife, wasserdichte Regenjacke, Verpflegung, Müllbeutel, extra lange Hose und langes Shirt, Stirnlampe mit Ersatzbatterien und ein Biwaksack gilt es dabei zu haben.

Zusätzlich bekommt man noch seine personalisierte Startnummer, einen Tracker, der zeigt wo auf dem Weg man sich zu jeder Zeit befindet und eine Drop-Bag.

Die Drop-Bag kann vor dem Start abgegeben werden und wird vom Veranstalter zum Verpflegungspunkt bei etwa Kilometer 50 transportiert. Also gilt es, alles einzupacken, was man auf der Strecke zusätzlich gebrauchen könnte und zusätzliche Verpflegung zu deponieren. Ich packe noch ein zusätzliches paar Schuhe und frische Socken ein, ist so eine Angewohnheit.

Bei der Startzeit 21:30 Uhr ist nicht an allzu viel Schlaf zu denken, weswegen ich mich gegen Nachmittag nochmal zu einem kurzen Mittagsschlaf hinreißen lasse.

Start in Kaprun

Da der Mittagsschlaf dank der Aufregung eher kurz ausfällt, mache ich mir um kurz vor 18 Uhr erstmal mein Abendessen um eine gute Grundlage für den Lauf zu haben. Nach dem Essen kontrolliere ich noch einmal meine Ausrüstung und die Drop Bag. Power Bank etc. wird nochmal aufgeladen und eingepackt. So jetzt noch duschen, Zähne putzen, Glitzer auftragen und dann können auch schon die Laufschuhe geschnürt werden.

Um 20:30 Uhr, eine Stunde vor dem Start, mache ich mich langsam auf den Weg in den Startbereich, hier ist schon relativ viel los und die Drop-Bag muss auch noch abgegeben werden. Auf den Weg in den Startkanal muss nun jeder seine Mindestausrüstung kontrollieren lassen. Jetzt heißt es hoffen das ich nichts vergessen habe.

Dann fällt der Startschuss. Die ersten Kilometer geht es durch Kaprun bis zur Sigmund Thun Klamm. Bei der Dunkelheit und der bunten Beleuchtung ein echtes Highlight. Danach ein weiterer langer Anstieg zum Mooserboden, ein riesengroßer Staudamm, der bei Nacht schon eine Klasse für sich ist. Hier habe ich schon langsam gemerkt, dass diese Nacht hart für mich wird. Ich fühle mich nicht gut und komme nur sehr schwer ins Laufen rein, teilweise muss ich lange Passagen, egal ob bergauf oder bergab gehen und komme gefühlt nicht voran. Selbst meine Verpflegung konnte ich nur kaum zu mir nehmen. Ich bin also froh die erste Verpflegungsstelle nur knapp vor der Cutoff-Zeit um 1 Uhr zu erreichen und weiterlaufen zu dürfen. Nach einem sehr kurzen Stopp geht es weiter über das Kapruner Törl mit 2.639 m und damit der ersten Schlüsselstelle des Rennens. Die nächste Verpflegungsstelle erreichen wir nach einem kurzen Downhill und einem erneuten Aufstieg bei der Rudolfshütte, um dann weiter zur zweiten Schlüsselstelle, dem Kalser Tauern zu gelangen. Nach einer langen Nacht mit vielen Problemen, Tränen und Abbruchgedanken und nachdem alle Vorräte wieder aufgefüllt sind, geht es wieder runter ins Tal zum Kals am Großglockner. Während der ganzen Strecke nach Kals habe ich immer wieder mit dem Gedanken gespielt, das Rennen hier abzubrechen. Ich laufe also in die Verpflegungsstelle und der Gedanke ist wie weggeblasen. Ich habe zuvor in einem Rennen noch nie erlebt, dass ich so lange gebraucht habe um in einen Wettkampf zu finden. Ich habe bis zu Kilometer 50 immer wieder mit dem Gedanken gespielt, dass Rennen abzubrechen und konnte meine Gedanken gar nicht auf den Lauf an sich konzentrieren. Ab der Verpflegungsstelle, als ich meine Drop-Bag in der Hand gehalten habe war der Schalter umgelegt. Ich war motiviert und voller Energie das Rennen weiterzulaufen, woher auch immer dieser Energieschub kam. Ich fülle meine Getränke auf und hole die restliche Verpflegung aus meiner Drop-Bag und mache mich auf den langen Anstieg zur Glorer Hütte. Dort angekommen waren es nur wenige Kilometer bis zur Stockerscharte 2.442 m von der aus man einen wirklich einmaligen Blick auf den Speicher Margaritzen und das gegenüberliegende Glocknerhaus genießen konnte. Oben auf der Stockerscharte kamen dann aber auch erste Zweifel an der Cutoff-Zeit. Ich stehe dort oben bei km 69 um kurz nach 16 Uhr und muss in 30 Minuten an der nächsten Verpflegungsstelle sein, die ich bereits gegenüber sehe. Das wird knapp. Obwohl es größtenteils bergab geht und es nur 4 km sind, hegen einige Mitläufer schon erste Zweifel. Ich halte mich also nicht lange mit diesem wunderschönen Blick auf das Tal auf und mache mich schnell auf die lange Downhill-Strecke. Der kurze Aufstieg zum Glocknerhaus hat es nochmal in sich und ich versuche alle Reserven nochmal zu mobilisieren, verfehle allerdings die Cutoff-Zeit um 2 Minuten.

 Nach 73 km mit 4.888 Höhenmetern um 16:32 Uhr ist das Rennen also nun vorbei. Ich warte mit mindestens 20 anderen Läufern, die es nicht geschafft haben, auf den Bus der uns zurück nach Kaprun fährt. Die Enttäuschung ist groß, vor allem weil ich erst so spät ins Rennen gefunden habe und ab km 50 wirklich Spaß daran hatte. Ich muss allerdings sagen, dass ich die Cutoff-Zeiten nicht wirklich vor Augen hatte und mich erst zu spät damit beschäftigt habe, deswegen auch wirklich ausscheiden zu können. Also sitzen wir alle 30 Minuten später im Bus, der uns um etwa 18 Uhr wieder im Start- und Zielbereich auslädt. Nach einem nicht verdienten Finisherbier und der Einsicht, dass irgendwo ein Cut gemacht werden muss und hier keine Ausnahmen erlaubt sind lässt sich die Enttäuschung schon etwas besser verarbeiten. Traurig ist man trotzdem noch etwas länger und das darf auch so sein. 😊

Mein Fazit

 für die 110 Kilometer ist, dass man top trainiert und auch psychisch extrem belastbar sein muss. Unbedingte Voraussetzung ist auf alle Fälle Trittsicherheit und die vorgeschriebene Ausrüstung sowieso.

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