Die Fahrrad-Saison beginnt – und mit ihr die Zeit für Rennrad-, Gravel- und Mountainbike-Touren. Doch was ist zu tun, wenn unterwegs ein Unfall passiert? Welche Nummer wählt man? Wie gibt man den Standort mitten im Wald durch? Und warum gehört ein kleines Erste-Hilfe-Set eigentlich in jeden Rucksack?
Ein Sturz auf Schotter. Ein Fahrfehler auf dem Trail. Eine Kollision auf der Straße. Oder einfach ein Moment, in dem ein Rad wegrutscht und aus einer schönen Tour plötzlich ein Notfall wird.
Viele Radfahrerinnen und Radfahrer investieren viel in Helm, Beleuchtung, Reifen, Navigation und Training. Doch eine Frage wird oft erst dann gestellt, wenn es zu spät ist: Bin ich eigentlich vorbereitet, wenn unterwegs wirklich etwas passiert?
Gerade beim Gravelbiken, Mountainbiken oder auf längeren Radtouren kann professionelle Hilfe einige Zeit brauchen. Umso wichtiger ist es, die wichtigsten Schritte zu kennen – und zumindest eine kleine Grundausstattung dabeizuhaben.
Die wichtigste Nummer: 112
Bei einem schweren Unfall, starken Schmerzen, Bewusstlosigkeit, Atemproblemen, starken Blutungen oder Verdacht auf Kopf-, Wirbelsäulen- oder schwere Knochenverletzungen gilt: 112 wählen.
Die 112 ist die europaweite Notrufnummer für Rettungsdienst und Feuerwehr. Auch in den Bergen erreicht man darüber die zuständige Rettungsleitstelle.
Die Polizei erreichst du über 110, etwa bei Unfallflucht, Gefahrenstellen, Straftaten oder wenn der Verkehr gesichert werden muss. Bei medizinischen Notfällen ist aber die 112 die richtige erste Nummer.
Wird mein Standort automatisch erkannt?
Moderne Smartphones können beim Notruf inzwischen helfen. Über Advanced Mobile Location, kurz AML, können bei einem Smartphone-Notruf genaue Standortdaten automatisch an die Leitstelle übermittelt werden. Das Gerät nutzt dafür je nach Situation GPS, WLAN und Mobilfunkzellen.
Trotzdem solltest du Dich nicht blind darauf verlassen. Akku, Empfang, Geräteeinstellungen oder Gelände können eine Rolle spielen. Deshalb gilt weiterhin: Gib Deinen Standort so gut wie möglich selbst durch.
Hilfreich sind:
GPS-Koordinaten aus Karten-App, Komoot, Strava, Garmin oder ähnlichen Apps
nahe Orte, Straßen, Wege, Seen, Hütten, Parkplätze oder markante Punkte
Rettungspunkte im Wald
Wegnummern oder Trailnamen
der zuletzt passierte Ort und die Fahrtrichtung
In Waldgebieten können sogenannte Rettungspunkte besonders wichtig sein. In Bayern empfiehlt die Forstverwaltung, im Notfall die Nummer des nächsten Rettungstreffpunkts sowie den eigenen Standort im Verhältnis dazu anzugeben, zum Beispiel „200 Meter nördlich des Rettungstreffpunkts“.
Für Outdoor-Touren kann es außerdem sinnvoll sein, vorab geeignete Notfall-Apps zu kennen. Die offizielle nora Notruf-App der Bundesländer kann Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst erreichen und nutzt die Standortfunktion des Smartphones, um den genauen Standort an die zuständige Leitstelle zu übermitteln. In alpinen Regionen kann auch die SOS-EU-Alp-App hilfreich sein, weil sie einen Notruf samt GPS-Koordinaten und Kontaktdaten an die zuständige Leitstelle senden kann.
Die ersten Minuten: Ruhe bewahren, sichern, helfen
Bei einem Unfall zählt nicht nur Schnelligkeit. Es zählt vor allem die richtige Reihenfolge.
Zuerst kommt der Eigenschutz. Wer selbst in Gefahr gerät, kann nicht helfen. Auf Straßen bedeutet das: Unfallstelle absichern, Warnweste anziehen, andere Verkehrsteilnehmer warnen und den nachfolgenden Verkehr im Blick behalten. Der ADAC betont bei Unfällen ausdrücklich, dass zunächst die Unfallstelle gesichert und die verunglückte Person aus einer möglichen Gefahrenzone gebracht werden sollte.
Auf Trails oder Waldwegen heißt das: Nachkommende Radfahrerinnen und Radfahrer warnen, Räder aus dem Weg nehmen, die Unfallstelle sichtbar machen und verhindern, dass weitere Personen in die Situation hineinfahren.
Danach gilt: Person ansprechen. Prüfen, ob sie reagiert. Atmung kontrollieren. Notruf absetzen. Und bis zum Eintreffen der Rettungskräfte betreuen.
Bewusstlos, aber Atmung vorhanden: stabile Seitenlage
Reagiert die verletzte Person nicht, atmet aber normal, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Das Deutsche Rote Kreuz erklärt, dass dadurch die Atemwege frei bleiben und Erbrochenes oder Blut abfließen kann.
Wichtig: Bei Verdacht auf schwere Wirbelsäulenverletzungen sind Bewegungen besonders vorsichtig abzuwägen. Die Leitstelle kann Dich am Telefon durch die nächsten Schritte führen. Deshalb ist es sinnvoll, das Smartphone auf Lautsprecher zu stellen und den Anweisungen zu folgen.
Keine normale Atmung: prüfen, rufen, drücken
Wenn eine Person nicht reagiert und nicht normal atmet, zählt jede Sekunde. Das Deutsche Rote Kreuz fasst die Wiederbelebung mit „Prüfen, Rufen, Drücken“ zusammen. Die Herzdruckmassage erfolgt mit einer Frequenz von etwa 100 bis 120 Mal pro Minute und einer Drucktiefe von etwa fünf bis sechs Zentimetern.
Für Laien ist entscheidend: Lieber helfen als zögern. Die Rettungsleitstelle kann telefonisch unterstützen.
Starke Blutungen: Druck auf die Wunde
Bei starken Blutungen sollte sofort die 112 gewählt werden. Bis Hilfe eintrifft, muss die Blutung so gut wie möglich gestoppt werden. Das DRK empfiehlt direkten Druck auf die Wunde mit möglichst keimarmem Material und, wenn möglich, einen Druckverband.
Genau hier wird ein Erste-Hilfe-Set unterwegs wichtig. Denn ohne Kompresse, Verbandpäckchen oder Handschuhe bleibt im Ernstfall oft nur Improvisation.
Warum ein Erste-Hilfe-Set beim Radfahren sinnvoll ist
Ein Erste-Hilfe-Set macht Dich nicht zur Rettungskraft. Es ersetzt auch keinen Erste-Hilfe-Kurs. Aber es gibt Dir im entscheidenden Moment Material an die Hand.
Gerade beim Radfahren sind typische Verletzungen schnell passiert: Schürfwunden, Schnittwunden, Prellungen, Stürze mit Blutungen oder kleinere Verletzungen, die vor Ort versorgt werden müssen. Auf abgelegenen Wegen kann es dauern, bis professionelle Hilfe eintrifft. Deshalb gehört ein kompaktes Erste-Hilfe-Set für Radtouren, Gravel-Abenteuer, Mountainbike-Runden oder längere Outdoor-Einheiten aus unserer Sicht zur Grundausstattung.
Wichtig ist dabei: Das Set sollte klein genug sein, damit man es wirklich mitnimmt. Das beste Erste-Hilfe-Set hilft nicht, wenn es zuhause im Schrank liegt.
Produkthinweis: kompaktes Erste-Hilfe-Set für Touren
Für Radtouren und Outdoor-Sport kann ein kompaktes Set wie das 🔗 Deuter First Aid Kit Active sinnvoll sein. Es ist laut Deuter nach medizinischer Empfehlung bestückt und enthält unter anderem sterile Verbandpäckchen, ein Dreiecktuch, elastische Binde, sterile Wundkompresse, Pflasterset, Tape, Kleinschere, Handschuhe und Signalpfeife.
Beim Partner Intersport Wanninger wird das 🔗 Deuter First Aid Kit Active ebenfalls als handliche Erste-Hilfe-Tasche mit schnell zugänglicher Grundausstattung beschrieben.
Wichtig bleibt: Je nach Tour, Region und persönlicher Situation kann es sinnvoll sein, ein Set zu ergänzen – etwa um persönliche Medikamente, Rettungsdecke, Zeckenkarte, Desinfektion, Blasenpflaster oder zusätzliche Handschuhe.
Was du vor der Tour vorbereiten solltest
Die beste Erste Hilfe beginnt vor dem Unfall.
Speichere die 112 nicht nur im Kopf, sondern verinnerliche sie. Prüfe vor längeren Touren den Akkustand Deines Smartphones. Nimm eine Powerbank mit, wenn du mit Navigation fährst. Informiere jemanden über Deine Route, wenn du allein unterwegs bist. Und schaue Dir bei Touren in Wald- oder Bergregionen an, wie du Deinen Standort im Notfall schnell findest.
Sinnvoll ist außerdem:
Notfallkontakt im Smartphone hinterlegen
Tour in einer App speichern und offline verfügbar machen
Erste-Hilfe-Set griffbereit einpacken
Helm, Licht und Bremsen vor der Tour prüfen
bei Gruppenfahrten klären, wer Erste-Hilfe-Erfahrung hat
Wie du kleine Schürfwunden unterwegs richtig versorgst
Nicht jeder Sturz ist ein Notfall. Kleine Schürfwunden können unterwegs oft selbst versorgt werden – vorausgesetzt, du gehst sauber und vorsichtig vor.
Zuerst gilt: Wenn möglich Hände reinigen oder Einmalhandschuhe anziehen. Ist die Wunde nur oberflächlich und kaum verschmutzt, sollte sie nicht unnötig berührt werden. Befinden sich jedoch Erde, Sand oder kleine Steinchen in der Schürfwunde, kann sie vorsichtig mit sauberem Trinkwasser oder steriler Kochsalzlösung gespült werden.
Wichtig ist dabei: Nicht schrubben und keine tief sitzenden Fremdkörper entfernen. Glassplitter, größere Steinchen oder Holzstücke gehören ärztlich versorgt. Oberflächlichen Schmutz kannst du vorsichtig mit einer sterilen Kompresse oder einem Wundreinigungstuch entfernen.
Anschließend wird die Wunde möglichst steril abgedeckt – zum Beispiel mit einer Kompresse oder einem Pflaster aus dem Erste-Hilfe-Set. Genau deshalb ist es sinnvoll, auf längeren Radtouren zumindest eine kleine Grundausstattung dabeizuhaben.
Hierzu nochmal unser Tipp: Das 🔗 Deuter First Aid Kit Active
Bei stärkeren Schmerzen, Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit, Kopfschmerzen nach einem Sturz, Taubheitsgefühlen, deutlicher Fehlstellung, anhaltenden Blutungen oder stark verschmutzten beziehungsweise tiefen Wunden sollte man nicht „hart sein“, sondern medizinische Hilfe holen.
Gerade nach Kopfstürzen gilt: Symptome können verzögert auftreten. Wer sich unsicher ist, sollte ärztlichen Rat einholen oder bei ernsten Beschwerden die 112 wählen.
Sicherheit beginnt nicht erst beim Unfall
Radfahren, Graveln und Mountainbiken leben von Freiheit. Von Wegen, die man entdeckt. Von Natur, Tempo und kleinen Abenteuern.
Aber gerade deshalb gehört Vorbereitung dazu. Wer weiß, wie man einen Notruf absetzt, wie man den Standort durchgibt, wie man eine Unfallstelle sichert und warum ein Erste-Hilfe-Set sinnvoll ist, fährt nicht ängstlicher. Er fährt verantwortungsvoller. Für sich selbst. Für die Gruppe. Und für die Menschen, denen man unterwegs vielleicht einmal helfen muss.
Denn im Ernstfall zählt nicht, ob man perfekt vorbereitet ist. Es zählt, dass man überhaupt helfen kann.






0 comments
What do you think? Share your thoughts with the community.
Log in to post a comment.