Die Männer-Sieger des Labertal-Laufs: Leander Gallemann und Philipp Rixinger im Interview

Die Männer-Sieger des Labertal-Laufs: Leander Gallemann und Philipp Rixinger im Interview
Picture: © Josef Reiseck (KI-gestützte Collage der Redaktion)

Die Männer-Sieger des Labertal-Laufs: Leander Gallemann und Philipp Rixinger im Interview

October 7, 20266 minutes Reading time

Leander Gallemann läuft Streckenrekord, Philipp Rixinger gewinnt die 5 km. Die Männer-Sieger des Labertal-Laufs sprechen über Rennen, Ziele und Pläne.

Leander Gallemann gewinnt die zehn Kilometer in Streckenrekordzeit, Philipp Rixinger entscheidet die fünf Kilometer für sich. Im Gespräch erzählen die Männer-Sieger, warum Hirschling für beide kein klassisches Zielrennen war – und was als Nächstes kommt.

Ein Streckenrekord als Vorbereitungslauf. Ein Fünf-Kilometer-Sieg nach einer spontanen Anmeldung vier Tage vor dem Start.

Die beiden Männer-Sieger des Labertal-Laufs kamen mit unterschiedlichen Voraussetzungen nach Hirschling. Gemeinsam war Leander Gallemann und Philipp Rixinger allerdings, dass dieser 3. Oktober für keinen von beiden den großen sportlichen Zielpunkt der Saison darstellen sollte.

Das hinderte sie nicht daran, ganz vorne zu landen.

Gallemann vom LVR Geiselhöring gewann den Zehn-Kilometer-Hauptlauf in 32:29 Minuten. Nur sechs Sekunden später folgte Markus Spangler vom TSV Beratzhausen. Mit seiner Zeit unterbot Gallemann zugleich den bisherigen Streckenrekord von Marco Bscheidl aus dem Jahr 2012 um 18 Sekunden.

Über fünf Kilometer setzte sich Philipp Rixinger von tri.P.coaching in 17:38 Minuten durch. Lorenz Ammer erreichte als Zweiter nach 18:59 Minuten das Ziel, Markus Winklmeier wurde in 19:09 Minuten Dritter.

Hinter den beiden Siegen stehen zwei Athleten mit unterschiedlichen Schwerpunkten – und zwei ziemlich genaue Vorstellungen davon, wohin es als Nächstes gehen soll.

Leander Gallemann: Ein Streckenrekord, der vorher schon das Ziel war

Als Leander Gallemann nach 32:29 Minuten die Ziellinie überquerte, musste er nicht erst auf die Ergebnisliste warten, um zu wissen, dass es schnell gewesen war. „Während des Rennens habe ich immer wieder auf die Uhr geschaut“, erzählt er. Deshalb habe er bereits vorher gewusst, „worauf es hinausläuft“.

Auch die Marke, um die es ging, war ihm bekannt. 32:47 Minuten hatte Marco Bscheidl 2012 für die zehn Kilometer benötigt. Vierzehn Jahre lang war bei diesem Lauf niemand schneller gewesen. Gallemann hatte sich vorgenommen, genau diese Zeit anzugreifen. „Ich wusste vom Streckenrekord und habe mir diesen auch als Ziel vorgenommen.“

Dass daraus am Ende 32:29 Minuten wurden, war allerdings alles andere als ein einsames Rennen gegen die Uhr.

Sechs Sekunden zwischen Sieg und Platz zwei

Markus Spangler blieb lange bei Gallemann. Erst im zweiten Teil des Rennens begann sich das Kräfteverhältnis klarer abzuzeichnen.

„Das Rennen mit Markus hat Spaß gemacht“, sagt Gallemann. Aufgrund ihrer bisherigen Bestzeiten habe er sich vor dem Start gute Chancen ausgerechnet.

Ungefähr ab der Hälfte habe er gemerkt, dass er etwas lockerer unterwegs war. Die Entscheidung fiel schließlich knapp zwei Kilometer vor dem Ziel. Gallemann verschärfte das Tempo und riss eine Lücke von ungefähr 25 Metern. „Ab knapp zwei Kilometern vor dem Ziel war ich mir des Sieges ziemlich sicher.“

Ganz ungefährlich war Spangler bis dahin trotzdem nicht geblieben. Nur sechs Sekunden trennten die beiden schließlich im Ziel: 32:29 zu 32:35 Minuten. Gallemann spricht deshalb von einem „spannenden und schönen Rennen“ – und gratuliert seinem Konkurrenten ausdrücklich zu dessen persönlicher Bestleistung.

32:29 Minuten – und nach eigener Einschätzung noch Reserven

Bemerkenswert ist allerdings, wie der Sieger seine eigene Zeit anschließend einordnet. „Relativ zufrieden“ sei er damit, sagt Gallemann. Das klingt zunächst erstaunlich für einen Läufer, der gerade einen 14 Jahre alten Streckenrekord gebrochen hat.

Die Erklärung folgt unmittelbar: Der Labertal-Lauf war für ihn kein eigentliches Zielrennen, sondern Teil der Vorbereitung auf seinen nächsten großen Start. Nach eigener Einschätzung seien in Hirschling noch „20 bis 30 Sekunden Reserve“ vorhanden gewesen.

Acht Tage nach dem Labertal-Lauf wartet bereits die nächste Aufgabe. Am 11. Oktober startet Gallemann beim Halbmarathon im Rahmen des MARATHON MÜNCHEN. Der Wettbewerb führt in diesem Jahr durch München und endet im Olympiapark.

Sein Ziel formuliert Gallemann präzise: eine neue persönliche Bestleistung – möglichst eine Zeit um 69 Minuten. Damit erhält die 32:29 von Hirschling noch einmal einen anderen Charakter: Für Gallemann war der Streckenrekord nicht der Abschluss einer Saison, sondern ein Formtest auf dem Weg zum nächsten Ziel.

Ein Rekord beim Heimatverein

Ganz gewöhnlich war dieser Vorbereitungslauf trotzdem nicht. Gallemann startet für den LVR Geiselhöring – jenen Verein, der den Labertal-Lauf veranstaltet. Der Verein führt ihn in der Meisterschaftswertung zudem als Sieger der männlichen U20.

„Für mich ist ein Sieg bei einer lokalen Veranstaltung besonders schön“, sagt Gallemann. Man treffe dort viele Bekannte, hinzu komme die Verbindung zum eigenen Heimatverein. Und die Strecke selbst? Für schnelle Zeiten bietet sie aus seiner Sicht nahezu alles, was es braucht.

Zwei Wenden, kaum Höhenmeter – und 800 schnelle Schlussmeter

„Die Strecke ist aufgrund der wenigen Höhenmeter ziemlich schnell“, sagt Gallemann. Zeit könne man vor allem an den beiden Wendepunkten verlieren. Hinzu komme ein Faktor, der auf einer offenen und schnellen Strecke erheblichen Einfluss haben könne: Wind.

Diesmal spielte er kaum eine Rolle. „Zum Glück war es dieses Jahr nahezu windstill.“ Besonders gefällt Gallemann der letzte Teil des Kurses. Auf den abschließenden ungefähr 800 Metern gehe es leicht bergab. Das ermöglicht noch einmal Tempo. „So kann man einen guten Endspurt mobilisieren.“ An diesem Tag reichte der Endspurt für 32:29 Minuten – und für eine neue Bestmarke.

Und nach München soll die Entwicklung weitergehen. Für 2027 nimmt sich Gallemann nicht nur längere Straßenrennen vor. Er möchte sich nach eigener Aussage auf allen gängigen Distanzen von 800 Metern bis zum Halbmarathon verbessern und bewusst auch an seiner Geschwindigkeit auf den Unterdistanzen arbeiten.

Philipp Rixinger: Vier Tage vor dem Rennen angemeldet – und dann gewonnen

Während Gallemann mit dem Streckenrekord ein sehr konkretes Ziel verfolgte, begann Philipp Rixingers Labertal-Lauf deutlich spontaner.

Erst vier Tage vor dem Rennen meldete er sich an. Ein exakt definiertes Zeitziel gab es deshalb nicht. Rixinger wollte vor allem noch einmal starten und seine Saison mit einem guten Wettkampf beenden.

Sein vorheriges Fünf-Kilometer-Rennen lag bereits mehr als ein Jahr zurück. „Da ich mich nur vier Tage vor dem Rennen angemeldet hatte, hatte ich kein spezielles Ziel.“, erzählt er. Zeitlich habe es lediglich einen ungefähren Rahmen gegeben, bei der Platzierung kaum konkrete Erwartungen. Am Ende stand Platz eins.

Mit 17:38 Minuten gewann Rixinger den Fünf-Kilometer-Lauf mit deutlichem Vorsprung. Vollständig zufrieden war er trotzdem nicht. „Zeitlich hatte ich etwas mehr erwartet“, sagt er. Über die Platzierung sei er dagegen „sehr glücklich“.

Ein Rennen, dessen Ausgang erst an der Wende sichtbar wurde

Dass Rixinger überhaupt an der Spitze der Fünf-Kilometer-Wertung lag, war während der ersten Rennhälfte nicht ohne Weiteres zu erkennen. Der Grund: Die Läufer über fünf und zehn Kilometer waren gemeinsam gestartet.

Dadurch habe er zunächst wenig Überblick darüber gehabt, welche Athleten eigentlich zu welchem Wettbewerb gehörten.

Erst an der Wende nach 2,5 Kilometern änderte sich das. Auf dem Rückweg sei ihm aufgefallen, dass ihm lange kein weiterer Läufer mit einer Startnummer des Fünf-Kilometer-Rennens entgegenkam. Da wurde ihm erstmals richtig bewusst, dass er vorne lag.

Am Ende sollte der Abstand deutlich ausfallen: Zwischen Rixingers 17:38 Minuten und den 18:59 Minuten des Zweitplatzierten Lorenz Ammer lagen 81 Sekunden.

„Der Kurs war optimal für schnelle Zeiten“

Auch Rixinger fand in Hirschling nahezu ideale Bedingungen vor. „Der Kurs war optimal für schnelle Zeiten“, sagt er. Asphalt, keine nennenswerten Anstiege – und an diesem Tag auch meteorologisch kaum etwas, das schnelle Zeiten verhinderte.

„Kein Wind und nicht zu warm und nicht zu kalt.“ Damit deckt sich seine Einschätzung mit jener Gallemanns: Die Strecke war schnell, der Wind spielte kaum eine Rolle und die äußeren Bedingungen passten. Dass Rixinger selbst mit seiner 17:38 nicht ganz zufrieden war, hat deshalb weniger mit dem Kurs als mit seinen eigenen Erwartungen zu tun. Und vielleicht auch damit, dass fünf Kilometer ohnehin nicht unbedingt seine Lieblingsdistanz sind.

Vom Läufer zum Triathleten

Rixinger startete für tri.P.coaching. Ein klassischer Verein sei das allerdings nicht, erklärt er. Vielmehr handele es sich um eine Gemeinschaft rund um seinen Trainer und dessen Athleten. Sportlich kommt Rixinger ursprünglich aus dem Laufen. Seit zwei Jahren betreibt er Triathlon – und dort liegt inzwischen auch sein Schwerpunkt.

Das erklärt möglicherweise auch seine Einschätzung der fünf Kilometer. „Ich muss persönlich sagen, dass ich die 5-km-Distanz nicht so gerne mag, da meine Stärken eher auf etwas längeren Distanzen liegen.“

Der Labertal-Lauf passte dennoch gut in seine Saisonplanung. Bereits am Wochenende zuvor war er einen Halbmarathon gelaufen. Hirschling bot anschließend noch einmal die Gelegenheit, herauszufinden, „was über die 5 km so geht“.

Danach war Schluss. Zumindest für dieses Jahr.

Das nächste Ziel wartet in Leipzig

Rixingers Saison 2026 ist beendet. Die Planung für 2027 läuft dagegen bereits.

Einen Termin hat er schon fest im Blick: den IRONMAN 70.3 Leipzig. Die zweite Auflage des Mitteldistanz-Triathlons ist für den 8. August 2027 angekündigt. Weitere Lauf- und Triathlonwettkämpfe sollen hinzukommen. Damit führen die Wege der beiden Männer-Sieger nach Hirschling zunächst in unterschiedliche Richtungen.

Philipp Rixinger verabschiedet sich mit seinem Fünf-Kilometer-Sieg in die Saisonpause und richtet den Blick bereits auf eine Triathlon-Mitteldistanz im kommenden Jahr.

Für Leander Gallemann bleibt dazu kaum Zeit. Am Sonntag wartet München. Und nach einem Zehn-Kilometer-Lauf in 32:29 Minuten, den er selbst nur als Vorbereitung bezeichnet, dürfte sein Versuch, die Halbmarathon-Bestzeit in Richtung 69 Minuten zu verschieben, besonders interessant werden.

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