17. Münchner Stadioncross: Kühl, trocken – und mit Rennen, die man nicht aus den Augen verliert
Fotografía: © SPOFERAN / Symbolbild

17. Münchner Stadioncross: Kühl, trocken – und mit Rennen, die man nicht aus den Augen verliert

March 2, 20265 minutos Tiempo de lectura

Spannende Rennen, Doppelsiege und Top-Leistungen: Der 17. Münchner Stadioncross begeistert Athleten und Fans.

Kalt war’s, ja – aber genau diese Kälte gehört zum Cross wie die Spikes zum Rasen. Beim 17. Münchner Stadioncross passte diesmal fast alles zusammen: trockene, insgesamt sehr gute Laufbedingungen, ein Stadion, das als natürliche Tribüne funktioniert, und Rennen, die nicht nur schnell waren, sondern auch spannend – weil man sie als Zuschauerin bzw. Zuschauer tatsächlich verfolgen konnte.

Der Postsportpark ist an solchen Tagen mehr als ein Austragungsort. Er wird zur Bühne. Die Strecke zieht sich über die Wiesenflächen rund ums Stadion, so angelegt, dass man weite Teile des Rennens im Blick behält – und damit genau das bekommt, was Cross selten bietet: Transparenz. Man sieht, wie ein Feld auseinanderfällt, wo jemand Tempo verschärft, wer in der Kurve innen bleibt, wer draußen den längeren Weg geht. Und man spürt, wie sehr das Publikum diese Nähe schätzt.

Über Lauf 1 bis Lauf 11 reihte sich so ein Renntag aneinander, der sportlich hochwertig war – und in seinem Charakter genau das bestätigte, wofür dieser Cross in München steht: kompakt, zuschauerfreundlich, zugleich ernsthaft genug, um als Standortbestimmung zu taugen.

Doppelstarts als eigene Disziplin

Zwischen den einzelnen Läufen fiel eine besondere Facette dieses Tages auf: Athleten, die mehrfach an der Startlinie standen. Crosslauf hat etwas Unbestechliches – und wer ein zweites Mal startet, zeigt nicht nur Form, sondern auch Härte.

Der prägnanteste Doppelstart kam von Keisuke Honda (The University of Tokyo Track and Field Team). Zunächst gewann er eindrucksvoll die Langstrecke (Lauf 10) in 21:04 Minuten – eine Zeit, die nicht nach “Kontrolle” aussieht, sondern nach einem Rennen, das auf jedem Meter ernst gemeint war.
Und damit nicht genug: Später stand Honda erneut im Feld, diesmal im Volkscross (Lauf 11) – und gewann auch dort in 14:15 Minuten.

Dass jemand nach der Langstrecke noch einmal in ein dichtes Feld steigt und es dann wieder nach Hause läuft, ist die Art Leistung, die in Ergebnislisten schnell “untergeht” – und genau deshalb am Streckenrand so präsent wirkt.

Ein zweites, sportlich sehr stimmiges Doppelstart-Signal lieferte Luca Glatthaar (TSV Penzberg). Er gewann zunächst die Mittelstrecke (Lauf 9) in 11:38 Minuten.
Später trat er auch auf der Langstrecke an – und wurde dort starker Vierter in 23:47 Minuten.
Wer diesen zweiten Start wagt, läuft nicht nur gegen Konkurrenz, sondern vor allem gegen das, was sich nach einem intensiven Mittelstreckenrennen in den Beinen sammelt.

Langstrecke: Honda vorne, dahinter starke Verfolger – und ein breites Feld

Sportlich war die Langstrecke der Männer das zentrale Ausrufezeichen: Honda siegte, dahinter folgten Michael Ott (MTC München) in 22:58 und Masahiko Yunokizaki (University of Tokyo) in 23:21.
Bemerkenswert: Das Feld blieb nicht nur in der Spitze hochklassig, sondern zeigte auch dahinter eine klare Leistungsdichte – genau das, was Cross spannend macht, weil Positionen über Minuten hinweg “arbeiten”.

Bei den Frauen gewann auf der Langstrecke Jana Keppler (SV Oberkollbach) in 29:48 Minuten.

Mittelstrecke: Eng, schnell, taktisch – Glatthaar vor Risko und Stoll

Die Mittelstrecke war der Lauf, in dem sich Cross in seiner kompakten Härte zeigt: kurze Rhythmuswechsel, enger Kontakt, kaum Platz für Fehler.
Hier setzte sich Luca Glatthaar in 11:38 Minuten durch, vor Sebastian Risko (PTSV Rosenheim, 11:48) und Daniel Stoll (LG Stadtwerke München, 11:52).

Bei den Frauen gewann Delphina Weiß (LG Stadtwerke München) – in der Wertung als U20 geführt – in 13:26 Minuten. Dahinter folgten Ewelina Brzezina (LG Stadtwerke München, 13:47) und Emily Schaumberg (LG Würm Athletik, 13:53).

Volkscross: Breite Spitze – und wieder Tokio vorne

Im Volkscross mit AK-Wertung (Lauf 11) wurde die Bandbreite des Tages sichtbar: vom ambitionierten Formtest bis zum Vereinsstart, vom AK-Duell bis zur schnellen Gesamtwertung.
Auch hier stand am Ende wieder Honda ganz oben (14:15), gefolgt von Shotaro Ban (15:58) und Masahiko Yunokizaki (15:59) – ein starkes Teamergebnis der Universität Tokio.

In den Altersklassen fielen ebenfalls beachtliche Zeiten – etwa in der M50 durch Ross Muir (TSV Eintracht Karlsfeld Triathlon) in 17:27 oder in der M60 durch Reinmund Hobmaier (TuS Prien) in 17:38.

Nachwuchs: Wenn Cross zur Leichtathletik-Schule wird

Was den Stadioncross jedes Jahr besonders macht, sind die Nachwuchsrennen. Cross ist hier nicht „Rahmenprogramm“, sondern eine Art Leichtathletik-Schule: laufen im Feld, Position halten, Kurven sauber nehmen, Tempo wechseln – und das vor Publikum, das nah dran ist. Über Lauf 1 bis Lauf 8 zeigte sich genau das: konzentrierte Gesichter am Start, schnelle Richtungswechsel im Gras – und im Ziel oft dieses kurze Innehalten, in dem man merkt, dass hier gerade etwas gelernt wurde, das kein Training simulieren kann.

Den Auftakt machte der WK U10 (Lauf 1). In der W8 gewann Ilvi Mühling (TSV Trudering) in 3:40 Minuten, in der W9 setzte sich Olivia Maeve Beyer (SV Lohhof) in 3:21 Minuten durch.
Im MK U10 (Lauf 2) zeigte sich, wie früh Cross schon „Rennen“ ist: Vincent Gibisch (LG Lauf) siegte in der M8 in 3:19 Minuten, Konstantin Matthes (SG Moosburg) gewann die M9 in 3:17 Minuten.

Mit den U12-Läufen wurde es spürbar strukturierter – die ersten Entscheidungen fielen nicht mehr nur über Mut, sondern über Rhythmus. Im WK U12 (Lauf 3) gewann Roxane Davoust (TSV München-Ost) die W10 in 3:22 Minuten; in der W11 war Valentina Hohenester (SG Moosburg) in 3:12 Minuten vorne.
Der MK U12 (Lauf 4) brachte die nächsten klaren Zeichen: Tim Janssen (USC München) gewann die M10 in 3:23 Minuten, Julius Rössing (TSV Gräfelfing) entschied die M11 in 3:08 Minuten für sich.

Ab U14 wird Cross endgültig zu jenem Wettkampf, den Trainerinnen und Trainer so schätzen: Er verlangt Technik, Tempohärte und saubere Linienführung. Im WJ U14 (Lauf 5) gewann Annabel Beyer (SV Lohhof) die W12 in 4:56 Minuten, bei den W13 siegte Maja Hartung (TSV Neufahrn 1919 e.V.) in 5:16 Minuten.
Im MJ U14 (Lauf 6) setzte Filip Rados (MRRC München) in der M12 in 4:33 Minuten das Tempo, während Till Paavo Kirsten (LG Stadtwerke München) die M13 in 4:40 Minuten gewann.

Die U16 (Lauf 7) wirkte dann schon wie ein kleines Abbild dessen, was später bei den Erwachsenen passiert: größere Felder, engere Duelle, weniger Fehlerverzeihung. Bei den M14 gewann Theo Müller (LG Stadtwerke München) in 9:09 Minuten, bei den W14 siegte Lotta Stoll (LG Stadtwerke München) in 9:33 Minuten. Die M15 entschied Mika Reichenbach (SV Lohhof) in 8:43 Minuten für sich; bei den W15 gewann Louisa Stubenrauch (LG Würm Athletik) in 9:45 Minuten.

Den Schlusspunkt der Nachwuchsrennen setzte die U18 (Lauf 8) – eine Altersklasse, in der Cross bereits sehr nach „großem“ Laufsport aussieht: Julian Bedel (LG Stadtwerke München) gewann in 7:56 Minuten, bei den U18-Frauen siegte Clara Groher (LG Stadtwerke München) in 9:10 Minuten.

Ein sehr gelungener Wettkampf – sportlich wie atmosphärisch

Am Ende bleibt das Bild eines Renntags, der sich “rund” anfühlte: gute Bedingungen, viele Zuschauerinnen und Zuschauer, ein Stadion, das Crosslauf sichtbar macht, und Rennen, die von Qualität und Spannung getragen wurden – vom ersten Start bis zum Volkscross.

Die vollständigen Ergebnisse (inklusive Geschlechter- und Altersklassenwertungen) sind 🔗 hier in den offiziellen Listen dokumentiert.

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