Bis Kilometer 40 lief Tigst Assefa beim Berlin-Marathon auf Weltrekordkurs. Dann begann die Äthiopierin plötzlich zu humpeln und verlor innerhalb weniger Minuten ihren Vorsprung auf die Bestmarke. Nun ist klar, was hinter dem dramatischen Einbruch steckte: Assefa erlitt in der Schlussphase einen Teilriss der rechten Achillessehne – und lief trotzdem noch Streckenrekord.
Es waren die Bilder, die vom Frauenrennen des Berlin-Marathons 2026 besonders hängen blieben. Mehr als zwei Stunden lang lief Tigst Assefa nahezu perfekt. Kurz vor dem Brandenburger Tor aber veränderte sich ihr Laufstil schlagartig. Die 29-Jährige humpelte, verzog vor Schmerzen das Gesicht und verlor innerhalb kürzester Zeit deutlich an Tempo.
Unmittelbar nach dem Rennen war zunächst lediglich von muskulären beziehungsweise Sehnenproblemen die Rede gewesen. Mittlerweile hat World Athletics die Ursache konkretisiert: Assefa erlitt einen Teilriss der Achillessehne.
Damit erscheint ihre ohnehin außergewöhnliche Siegerzeit noch einmal in einem anderen Licht.
Bei Kilometer 40 war der Weltrekord noch möglich
Bis unmittelbar vor der Verletzung hatte Assefa ein bemerkenswert gleichmäßiges Rennen gezeigt.
Die ersten vier 10-Kilometer-Abschnitte absolvierte sie laut World Athletics in 30:48, 30:46, 30:41 und 30:45 Minuten. Bei Kilometer 40 zeigte die Uhr 2:03:00 Stunden. Hochgerechnet entsprach das einer Zielzeit von etwa 2:09:44 Stunden – zwölf Sekunden unter dem bestehenden Weltrekord von 2:09:56 Stunden.
Dann änderte sich innerhalb weniger Augenblicke alles.
Assefas Schritt wurde unrund, kurz darauf war ein deutliches Hinken zu erkennen. Aus dem Duell mit der Uhr wurde plötzlich der Versuch, überhaupt noch möglichst schnell ins Ziel zu kommen.
Dennoch gab Assefa das Rennen nicht auf.
Trotz Teilriss noch 2:11:04 Stunden
Für die letzten 2,195 Kilometer benötigte Assefa trotz der Verletzung etwa 8:04 Minuten. Das entspricht noch immer ungefähr 3:41 Minuten pro Kilometer.
Nach insgesamt 2:11:04 Stunden erreichte sie das Ziel als Siegerin. Damit verbesserte sie ihren eigenen Berliner Streckenrekord von 2:11:53 Stunden aus dem Jahr 2023 um weitere 49 Sekunden. Gleichzeitig ist die Zeit die drittschnellste jemals gelaufene Marathonzeit einer Frau.
Was zunächst vor allem wie ein bitter verpasster Weltrekord aussah, ist damit auch eine bemerkenswerte Geschichte darüber, unter welchen Umständen Assefa ihre Leistung überhaupt noch ins Ziel brachte.
Berlin-Marathon-Renndirektor Mark Milde hatte schon unmittelbar nach dem Rennen erklärt, dass etwas mit einer Sehne nicht stimme. Assefa wurde nach dem Zieleinlauf medizinisch behandelt und zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Die Siegerehrung und die anschließende Pressekonferenz verpasste sie deshalb.
Operation in München geplant
Nach Angaben ihres Managers Gianni Demadonna, über die Pura Vida Sports Africa berichtet, soll die Verletzung nun operativ behandelt werden. Assefa sollte dafür nach München gebracht werden und sich am Montag einem Eingriff unterziehen. Ihr Management rechnet dem Bericht zufolge derzeit mit einer möglicherweise rund sechsmonatigen Wettkampfpause. Eine endgültige Prognose hängt allerdings vom genauen Verletzungsbild, dem Eingriff und dem weiteren Heilungsverlauf ab.
Bemerkenswert ist dabei auch Assefas Vorgeschichte: Schon früher hatte sie wiederholt Probleme mit der Achillessehne. Im offiziellen Media Guide des Berlin-Marathons wird beschrieben, dass ihre Beschwerden zeitweise sogar so gravierend waren, dass ein Ende ihrer Laufkarriere befürchtet wurde.
Ein Streckenrekord, der nach dem Rennen noch außergewöhnlicher wirkt
Sportlich bleibt der verpasste Weltrekord bitter. Assefa war nach 40 Kilometern so nah an der Bestmarke, dass wenige weitere Minuten in ihrem bisherigen Tempo gereicht hätten.
Doch inzwischen ist klar, weshalb die Äthiopierin auf den letzten beiden Kilometern derart plötzlich einbrach.
Mit einer verletzten Achillessehne lief sie weiter, gewann ihren dritten Berlin-Marathon und stellte in 2:11:04 Stunden trotzdem einen neuen Streckenrekord auf.
Bereits 2022 und 2023 hatte Assefa in Berlin gewonnen. Nun stellte sie bei ihrem dritten Sieg zum dritten Mal einen Streckenrekord auf – laut Veranstalter ein Novum in der Geschichte des Berlin-Marathons.
Wie bewertet ihr diese Leistung? Ist es für euch vor allem beeindruckend, unter solchen Schmerzen noch ins Ziel zu laufen – oder denkt ihr beim Anblick solcher Szenen eher daran, dass die Gesundheit immer Vorrang haben sollte? Schreibt uns eure Sicht gerne in die Kommentare.
Den ausführlichen Rennbericht mit den Ergebnissen der Frauen und Männer, Guye Adolas Sieg sowie den deutschen Top-Leistungen findest du hier:
👉 Berlin-Marathon 2026: Assefa verpasst Weltrekord dramatisch – Adola gewinnt in 2:02:50






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