Donauradweg Passau–Wien mit dem Rennrad: Was ich neun Jahre später gelernt habe

Donauradweg Passau–Wien mit dem Rennrad: Was ich neun Jahre später gelernt habe
Obrázek: © Christian Teringl

Donauradweg Passau–Wien mit dem Rennrad: Was ich neun Jahre später gelernt habe

12. srpen 202610 minutes Doba čtení

Neun Jahre später erneut auf dem Donauradweg: persönliche Erfahrungen zu Passau – Wien mit Rennrad, Hitze, Etappen, Getränken, Strecke und Hotels.

2017 bin ich den Donauradweg von Passau nach Wien schon einmal gefahren. Neun Jahre später wollte ich die Strecke wieder erleben – diesmal mit Rennrad, wenig Gepäck und Hotels statt Zelt. Was ich nicht geplant hatte: ausgerechnet während zweier historischer Hitzetage durch Österreich zu fahren. Am Ende wurde daraus eine Reise, die mir nicht nur neue Tipps für den Donauradweg, sondern auch einen unerwarteten Blick auf die Zukunft unseres Sports gegeben hat.

2017 habe ich in meinem ersten Bericht über den Donauradweg einen Satz geschrieben, den ich neun Jahre später noch einmal neu lernen sollte:

„Es ist Urlaub – einen Gang runter schalten.“

Damals war ich mit Trekkingrad, Fahrradtaschen und Zelt unterwegs. Dieses Mal stand ein rund 20 Jahre altes Rennrad vor der Tür, das noch immer erstaunlich gut fährt. Das Gepäck musste in eine größere Satteltasche und einen Rucksack passen, übernachtet wurde im Hotel.

Beides funktioniert. Und beides fühlt sich nach einem völlig anderen Radurlaub an.

Was diesmal allerdings den größten Unterschied machte, hatte weder mit dem Fahrrad noch mit dem Gepäck zu tun.

Es war die Hitze.

Drei Tage von Passau nach Wien – eigentlich als ruhiger Wiedereinstieg

Die Tour sollte für mich bewusst kein sportlicher Härtetest werden. Nach unserem Triathlon hatte ich aufgrund der vielen Arbeit erstmals seit Jahren mehr als einen Monat praktisch keinen eigenen Sport gemacht.

Der Donauradweg sollte mein Wiedereinstieg sein.

Deshalb hatte ich entspannt geplant: Montag Richtung Linz, Dienstag weiter nach Krems, Mittwoch nach Wien.

Auf dem Papier klang das vernünftig.

Der Montag zeigte mir allerdings ziemlich schnell, dass „Abkürzung“ und „einfacher“ nicht dasselbe bedeuten.

Warum die vermeintliche Abkürzung keine war

Von Pocking aus wollte ich nicht erst nach Passau fahren, sondern über Schärding direkt Richtung Engelhartszell abkürzen.

Kilometermäßig war das logisch.

Meine Beine sahen das nach fünf Wochen Sportpause anders.

Die Höhenmeter fühlten sich plötzlich erstaunlich ernst an. Als ich schließlich die flache Donau erreichte, waren meine Oberschenkel bereits ziemlich leer – dabei begann dort gefühlt erst der eigentliche Donauradweg.

Dazu kam ein Fehler bei der Navigation: Auf meinem Navi war die falsche Karte beziehungsweise Routenführung aktiv. So stand ich irgendwann mit dem Rennrad auf Wegen, auf denen ein Mountainbike deutlich besser aufgehoben gewesen wäre. Ein sandiger Anstieg zwang mich sogar dazu, rund einen Kilometer zu schieben.

Nach den ersten zehn oder zwanzig flachen Kilometern an der Donau erholten sich die Beine zum Glück wieder. Stück für Stück wurde ich schneller.

Meine erste neue Erkenntnis war trotzdem schon da:

Beim Radurlaub ist die kürzere Strecke nicht automatisch die bessere Strecke.

Gerade beim Wiedereinstieg würde ich beim nächsten Mal lieber einige Kilometer mehr fahren und dafür Höhenmeter und unnötige Experimente vermeiden.

Ein Gutschein reist mit dem wohl ungewöhnlichsten Kurier nach Linz

Ganz geradlinig verlief auch der Rest der Etappe nicht.

Bei unserem Triathlon war einer der Gutscheine für eine Athletin ausgegangen. Da meine Route ohnehin an Linz vorbeiführte, wollte ich ihn persönlich vorbeibringen.

Also noch einmal zehn bis zwanzig Kilometer Umweg.

Wirtschaftlich vermutlich nicht die effizienteste Versandmethode. Aber viel klimafreundlicher hätte ich einen Gutschein persönlich kaum zustellen können. :-)

Und solche kleinen Abweichungen gehören für mich inzwischen auch zu einem Radurlaub. Nicht jede Minute muss optimiert sein.

Dann wurde aus Sommer plötzlich ein ernstzunehmender Gegner

Normalerweise mag ich Hitze. Sommer darf für mich gerne richtig warm sein.

Auf dieser Tour habe ich aber meine persönliche Grenze kennengelernt.

Während meiner Fahrt wurden in Österreich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen neue nationale Temperaturrekorde gemessen: zunächst 41,0 Grad in Wien, anschließend 41,2 Grad in Bad Deutsch-Altenburg.

Schon am frühen Vormittag strahlte der Asphalt die Sonne teilweise derart zurück, dass sich die Strecke wie eine Heizung von unten anfühlte.

Überraschenderweise waren dabei nicht einmal die Streckenlängen mein größtes Problem. Genau davor hatte ich nach der langen Sportpause eigentlich Angst gehabt.

Das eigentliche Problem wurde die Kühlung.

Acht Liter am Tag – und trotzdem kaum Harndrang

An den heißesten Tagen kam ich auf ungefähr acht Liter Flüssigkeit. Trotzdem musste ich bis zur Ankunft im Hotel überhaupt nicht zur Toilette.

Das war für mich vor allem eines: ein deutliches Zeichen dafür, wie enorm viel Flüssigkeit ich über das Schwitzen verlor.

Diese acht Liter sind ausdrücklich keine Trinkempfehlung. Der Flüssigkeitsbedarf ist individuell, und auch zu viel Wasser kann problematisch sein. Bei extremer Hitze sollte deshalb nicht einfach möglichst viel getrunken werden, sondern Flüssigkeit, Salzverlust, Belastungsdauer und persönliche Schweißrate zusammen betrachtet werden.

Für meine Tour hatte die Hitze jedenfalls eine sehr praktische Konsequenz:

Ich begann, Supermärkte nicht mehr nur als Einkaufsmöglichkeit, sondern als Verpflegungsstationen zu betrachten.

Mein wichtigster Tipp: In Engelhartszell die Flaschen wirklich auffüllen

In Engelhartszell fuhr ich zunächst an einem Spar vorbei.

Ich hatte noch ungefähr einen Liter dabei und dachte mir: Bis zum nächsten Geschäft reicht das locker.

Das war ein Fehler.

Der nächste größere Einkauf auf meiner Strecke kam für mich erst in Aschach an der Donau. Bei diesen Temperaturen wurde aus einem Liter plötzlich eine Ressource, die ich mir bis zum letzten Schluck einteilen musste.

Deshalb würde ich bei großer Hitze heute ganz klar empfehlen:

In Engelhartszell noch einmal vollständig auffüllen, bevor es lange in die Natur entlang der Donau geht.

Ich habe bei solchen Stopps später nicht nur meine Flaschen gefüllt, sondern meist direkt vor Ort zusätzlich ordentlich getrunken – häufig etwa einen Liter Apfelschorle.

Bei Hofer entdeckte ich außerdem Iso-Getränke mit Elektrolyten. Vor der Reise hatte ich das Thema Sportgetränke bewusst ignoriert, weil ich ja „nur gemütlich“ fahren wollte.

Die Hitze machte diese Rechnung zunichte.

Wer stundenlang stark schwitzt, verliert eben nicht nur Wasser. Vor allem Natrium wird über den Schweiß ausgeschieden. Bei solchen Bedingungen kann Elektrolytzufuhr deshalb eine ganz andere Bedeutung bekommen als bei einer entspannten Tour bei 20 Grad.

Zwischen Linz und Ybbs: So schön kann Radfahren bei Hitze sein

Am zweiten Morgen zeigte der Donauradweg dann seine angenehmste Seite.

Ich fuhr zunächst überwiegend rechts der Donau Richtung Ybbs. Auf meiner Tour verliefen große Teile dieser Strecke wunderbar im Schatten.

Plötzlich funktionierte wieder alles.

Die Beine waren erstaunlich gut. Auf meinem alten Rennrad konnte ich teilweise mit mehr als 30 km/h rollen, ohne dass es sich besonders anstrengend anfühlte.

Für sehr heiße Tage würde ich diese Seite der Donau deshalb aus meiner persönlichen Erfahrung heraus wieder wählen - denn der Blick auf die vielen schattenlosen Passagen auf die andere Donauseite bestätigte mich jedes mal, die richtige Seite gewählt zu haben.

Dann kam Ybbs.

Und hinter Ybbs begann gefühlt eine andere Reise. Die, auf die ich vorher aus dem Schatten geschaut hatte.

Die Wachau war wunderschön – genießen konnte ich sie trotzdem kaum

Zwischen Ybbs und Krems verschwand auf meiner Strecke der Schatten dann nämlich auch nahezu vollständig.

Natürlich standen dort vereinzelt Bäume. Aber ich vermute, es waren keine 10 Bäume, die ich in den Stunden von Ybbs bis Krems an der Strecke gesehen habe, die mir am Nachmittag Schatten spenden konnten.

Kilometerlang nur Sonne. Nur Asphalt. Und damit: Hitze von oben und unten.

Aus den lockeren 30 km/h wurden irgendwann knapp 20. Mehrfach hielt ich im Schatten an, nur um meinen Körper wieder etwas herunterzukühlen.

Und irgendwann stellte ich mir eine für einen Radurlaub ziemlich entscheidende Frage:

Warum fahre ich eigentlich weiter, wenn es gerade überhaupt keinen Spaß mehr macht?

Die Wachau gehört landschaftlich sicher zu den schönsten Abschnitten der Strecke. Weinberge, Donau, kleine Orte und unzählige Möglichkeiten für eine Pause.

Bei extremer Hitze würde ich deshalb heute anders planen.

Nicht unbedingt 100 oder 120 Kilometer erzwingen. Lieber früh morgens einige Stunden fahren, mittags Schluss machen und den Nachmittag in Melk, Krems, der Wachau oder an der Donau verbringen.

Ein Radurlaub ist schließlich kein Etappenrennen. Und so wie man einen Wettkampf bei Hitze anpassen muss, sollte man wohl auch seinen Urlaub bei Hitze anpassen, wie ich gemerkt habe.

Mein Hotel-Tipp für Krems

Nach diesem Tag war ein kühles Hotelzimmer vermutlich selten so willkommen.

Meine Unterkunft in Krems kann ich nach dieser Reise wirklich empfehlen - es war eines der besondersten Hotels, in denen ich bisher übernachten durfte:
🔗 Mein Hotel-Tipp in Krems: Das Gästehaus Einzinger

Gerade wenn man mit wenig Gepäck auf dem Rennrad unterwegs ist, fand ich die Kombination aus Radfahren am Tag und Hotel am Abend extrem angenehm.

Trotzdem würde ich meine Reise von 2017 mit Zelt und Trekkingrad deshalb nicht schlechter bewerten.

Es sind einfach zwei verschiedene Arten zu reisen.

Rennrad oder Trekkingrad? Meine Antwort ist heute: beides

2017 hatte ich Fahrradtaschen und damit einen komplett freien Rücken. Gerade bei Hitze ist das sehr angenehm.

2026 war ich deutlich minimalistischer unterwegs. Die große Satteltasche funktionierte hervorragend, der Rucksack war praktisch – bei mehr als 40 Grad merkte ich allerdings sehr deutlich, wie angenehm es wäre, auch den Rücken wieder frei zu haben.

Mit dem Rennrad kommt gleichzeitig dieses wunderbare Gefühl hinzu, mit relativ wenig Kraft schnell über die flache Donau zu rollen.

Mein Fazit deshalb:

Trekkingrad mit Gepäck und Zelt oder Rennrad mit Bikepacking-Gepäck und Hotels – ich würde heute beides gleichermaßen empfehlen.

Auch meine Aussage von 2017, ein E-Bike könne man auf dieser flachen Strecke getrost zuhause lassen, würde ich heute weniger kategorisch formulieren. Entscheidend ist nicht, welches Rad vermeintlich das „richtige“ ist. Entscheidend ist, wie man die Reise genießen möchte.

Der schönste Weg nach Wien führt für mich über die Donauinsel

Am dritten Tag ging es von Krems weiter Richtung Wien.

Ich blieb zunächst auf der rechten Donauseite und wechselte am Kraftwerk Greifenstein auf die linke Seite.

Das würde ich wieder genauso machen.

Von dort lässt sich über die Donauinsel weitgehend fernab vom Autoverkehr Richtung Wiener Innenstadt fahren. Nach mehreren Tagen auf dem Rad ist das ein wunderbar entspannter Abschluss.

Und dann steht man irgendwann in Wien.

Das Faszinierende am Radreisen ist für mich genau dieser Moment: Man schaut auf die Stadt, in der man angekommen ist, und weiß, dass man jeden einzelnen Kilometer dorthin aus eigener Kraft zurückgelegt hat.

Zurück nach Passau: Wieder mit dem FlixBus

Wie schon bei meiner Tour 2017 bin ich auch dieses Mal mit dem FlixBus zurückgefahren – und würde diese Variante für meine Reise wieder wählen.

In meinem konkreten Fall war der Bus nur etwa halb so teuer wie die Bahn. Noch wichtiger fand ich nach drei Tagen auf dem Rad aber etwas anderes: Während ich mit der Bahn einmal hätte umsteigen müssen, konnte ich mit dem Bus einfach durchfahren.

Gerade mit Fahrrad und Gepäck ist das angenehm. Kein Rad aus dem Zug schieben, zum nächsten Gleis wechseln und hoffen, dass beim Umstieg alles klappt – sondern einsteigen, Fahrrad verstauen und nach der Tour erst einmal sitzen bleiben.

🔗 FlixBus-Verbindung für die Rückreise ansehen

Mein Tipp bleibt dabei derselbe wie schon 2017: Genügend Zeit für den Weg zum Bus einplanen. In einer fremden Stadt reichen ein paar rote Ampeln oder eine falsche Abzweigung, damit aus einer entspannten Rückreise plötzlich doch noch ein kleiner Schlusssprint wird.

Was sich in neun Jahren wirklich verändert hat

Der Donauradweg selbst hat für mich nichts von seinem Reiz verloren.

Passau, das Donautal, Schlögen, Linz, die Wachau, Krems und schließlich Wien ergeben noch immer eine außergewöhnlich schöne Radreise.

Was sich verändert hat, ist mein Blick darauf.

2017 ging es für mich vor allem um Route, Gepäck, Navigation und Sehenswürdigkeiten.

2026 kam ein Thema hinzu, mit dem ich vor der Abfahrt überhaupt nicht gerechnet hatte: Hitze als entscheidender Faktor der Reiseplanung.

Extreme Hitze verändert nicht nur Spitzenzeiten bei Marathon oder Triathlon. Sie verändert auch den ganz normalen Freizeitsport.

Wann fahre ich los?
Wie weit fahre ich?
Welche Flussseite bietet Schatten?
Wo kann ich Wasser kaufen?
Wie viel Flüssigkeit kann ich transportieren?
Wo kann ich mich abkühlen?
Muss ich eine Etappe verkürzen?

Fragen, die früher nebensächlich waren, können plötzlich die wichtigsten des Tages werden.

Die österreichische Klimaforschung zeigt, dass sehr heiße Tage und lange Hitzewellen bereits deutlich häufiger geworden sind. Wie stark sich diese Entwicklung weiter verschärft, hängt auch davon ab, wie konsequent Emissionen in Zukunft reduziert werden.

Für mich wurde der Klimawandel auf dieser Reise deshalb ungewöhnlich konkret.

Nicht als Diagramm.

Sondern als Gegenwind, obwohl überhaupt kein Wind ging.

Würde ich den Donauradweg Passau–Wien wieder fahren?

Sofort.

Vielleicht mit Zelt. Vielleicht wieder mit Rennrad. Vielleicht irgendwann ganz anders.

Aber bei extremer Hitze würde ich die Etappen heute deutlich stärker nach den Temperaturen planen als nach den Kilometern.

Früh losfahren. Getränke auffüllen, bevor sie knapp werden. Schatten nutzen. Umwege für flachere Strecken akzeptieren. Und notfalls auch einmal mittags Schluss machen.

Denn eine Erkenntnis aus meinem alten Bericht von 2017 ist nach neun Jahren aktueller denn je:

Es ist Urlaub – einen Gang runter schalten.

Nur bedeutet dieser Satz für mich heute noch etwas anderes. Manchmal ist langsamer nicht nur entspannter. Manchmal ist langsamer schlicht die vernünftigere Art, überhaupt ans Ziel zu kommen.


Da es meine Reise so massiv begleitet hat: Noch ein Gedanke zum Schluss

Nach drei Tagen bei solchen Temperaturen denkt man zwangsläufig auch darüber nach, was man selbst zumindest im Kleinen tun kann.

Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, beim eigenen Stromanbieter genauer hinzuschauen. Persönlich finde ich dabei aus eigener Erfahrung unter anderem Green Planet Energy und Naturstrom interessant – zwei Anbieter, deren Ausrichtung auf erneuerbare Energien ich grundsätzlich gut finde.

Wer sich ohnehin einmal mit einem Wechsel beschäftigen wollte, kann sich beide Angebote ansehen und selbst vergleichen:

🔗 Green Planet Energy ansehen
🔗 Naturstrom ansehen

Natürlich verändert kein einzelner Anbieterwechsel das Klima. Aber gerade diese Reise hat mir noch einmal sehr unmittelbar gezeigt, warum es sich lohnt, auch über die vielen kleinen Entscheidungen im Alltag stärker nachzudenken, damit unser Sport auch in einigen Jahren noch so schön bleibt, wie er ist.

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