Erlebnisbericht einer Schildkröte

Erlebnisbericht einer Schildkröte
Obrázek: © SPOFERAN | Symbolbild (KI)

Erlebnisbericht einer Schildkröte

7. červen 20263 minutes Doba čtení

Einblick persönlich Erfahrung einer Schildkröte


Es war der Tag des großen Volksfestlaufs, und die Schildkröte stand inmitten einer bunten, aufgeregten Menschenmasse. 10 Kilometer lagen vor ihr, aufgeteilt auf zwei Runden zu je 5 Kilometern. Ein neues, ehrgeiziges Ziel hatte sie sich gesteckt: Sie wollte heute eine richtig gute Zeit in ihrer Altersklasse einfahren.

Doch die Vorzeichen standen mäßig. Die Nacht war unruhig gewesen, das Kopfkissen zu hart, die Gedanken zu laut. Nicht richtig ausgeschlafen und mit einem flauen Gefühl im Magen spürte die Schildkröte die altbekannte, lähmende Anspannung. Die Angst, an der eigenen Erwartung zu scheitern, saß ihr im Nacken. Inmitten des Trubels traf sie eine vernünftige, wenn auch schmerzhafte Entscheidung: Vorsichtshalber passte sie ihre geplante Race-Pace an und nahm sich vor, das Rennen 20 Sekunden langsamer anzugehen als ursprünglich angedacht. Sicherheit für den Magen und die Beine ging vor.

Da die Schildkröte jedoch noch unerfahren im dichten Gedränge von Wettkämpfen war, beging sie beim Aufstellen einen klassischen Fehler. Sie reihte sich viel zu weit hinten im gemischten Starterfeld ein, in dem sowohl die 5-Kilometer-Läufer als auch die 10-Kilometer-Teilnehmer gemeinsam auf den Startschuss warteten.

Dann knallte der Startschuss. Die Menge johlte, doch die Schildkröte kam schlichtweg nicht vorwärts. Vor ihr blockierte eine Wand aus Läufern den Weg. Es gab kein Durchkommen. Gezwungenermaßen musste sie sich in Geduld üben, Schritt für Schritt tippeln und warten, bis sich der riesige Teilnehmerstrom endlich träge in Bewegung setzte. Wertvolle Sekunden verrannen, während die Nervosität stieg.

Erst nach dem ersten Kilometer lichtete sich das Feld allmählich. Die Schildkröte fand endlich etwas Raum zum Atmen. Sie hob den Kopf, und der Blick in die Ferne war ernüchternd: Weit hinten am Horizont sah sie die bunten Trikots der schnellen Läufer, die ganz vorne gestartet waren und bereits uneinholbar wirkten. Doch anstatt zu verzweifeln, schob sie den Frust beiseite. Jetzt galt es: Kopf runter, das eigene, angepasste Tempo finden und einfach eine gute, ehrliche Leistung auf den Asphalt bringen.

Als die erste Runde geschafft war und die Schildkröte die Start-Ziel-Linie passierte, veränderte sich die Kulisse schlagartig. Die 5-Kilometer-Läufer bogen ins Ziel ab, und das Feld lichtete sich deutlich. Ein Blick auf die Laufuhr verriet: Die bisherige Zeit war eigentlich gar nicht so schlecht, aber das Gefühl in den Beinen ließ erahnen, dass es heute definitiv nicht der beste Tag der Schildkröte werden würde. Jeder Schritt kostete heute mehr Kraft als sonst.

Doch nun schlug die Stunde der Erfahrung. Der Streckenverlauf war aus der ersten Runde bekannt. Die Schildkröte wusste genau, wo die Kurven eng wurden und wo der Wind von vorne blies. Mit stetigem, unerbittlichem Rhythmus arbeitete sie sich Meter für Meter nach vorne. Ihr Atem ging gleichmäßig, und zu ihrer eigenen Überraschung konnte sie auf diesem zweiten Abschnitt sogar einige deutlich jüngere Teilnehmer einsammeln und hinter sich lassen. Das gab Auftrieb.

Die Zielgerade kam in Sicht. Die Zuschauer am Streckenrand des Volksfests johlten, die Musik dröhnte. In der Schildkröte erwachte der pure Kampfeist. Wird sie den Vordermann noch einholen können? Vergessen war die Müdigkeit, vergessen der harte Berg der vergangenen Kilometer Sie mobilisierte die allerletzten, tiefen Kraftreserven ihres Körpers und zog den Sprint an.

Schulter an Schulter jagten die beiden dem Zielstrich entgegen. Die Menge tobte. Es war ein epischer Kampf auf den letzten Metern, ein Duell der Generationen. Nur wenige, winzige Zentimeter entschieden am Ende – nach der Zielzeit musste sich die Schildkröte dem jüngeren Läufer hauchdünn geschlagen geben.

Doch als sie keuchend die Hände auf die Knie stützte, war da kein Ärger. Sie hatte ehrenhaft gekämpft, dem inneren Schweinehund die Stirn geboten und erneut eine unglaubliche Willensstärke bewiesen. Die Altersklasse war gerockt, der Magen hatte gehalten. Die Schildkröte blickte dankbar zurück auf die Strecke und dachte sich mit einem stolzen Lächeln: Danke für dieses großartige Erlebnis.

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