Der 43. Vienna City Marathon ist Geschichte, und er hat Maßstäbe gesetzt. Die mit Abstand größte Laufveranstaltung Österreichs verzeichnete bei ihrer 43. Auflage eine neuerliche Rekordbeteiligung: 49.400 Anmeldungen, davon 13.000 allein für die volle Marathondistanz. Läuferinnen und Läufer aus 150 Nationen verwandelten Wien am Wochenende des 19. April in ein internationales Lauf- und Sportfest.
Gezahagn pulverisiert den Streckenrekord
Den sportlichen Höhepunkt des Tages setzte eine Athletin, deren Geschichte weit über den Laufsport hinausreicht. Die sehbeeinträchtigte Äthiopierin Tigist Gezahagn sorgte in 2:20:06 Stunden für einen neuen Streckenrekord und unterbot damit die vier Jahre alte Marke der Kenianerin Vibian Chepkirui (2:20:59) deutlich. Die Siegerin gewann über 1.500 m bereits zweimal Gold bei den Paralympics, 2020 und 2024. 2021 in Tokio war sie die erste Paralympics-Siegerin der Geschichte aus Äthiopien, ihren Erfolg im 1.500-m-Lauf in der Kategorie der Sehbeeinträchtigten (T13) wiederholte sie drei Jahre später in Paris.
Keine Probleme mit den fast schon frühsommerlichen Bedingungen bekundete Gezahagn, die ihre persönliche Bestzeit aus dem Jänner in Doha um mehr als eine Minute verbesserte. Ihre letzte verbliebene Konkurrentin Haftamnesh hatte sie in der Schlussphase auf der Ringstraße abgeschüttelt: „Es war sehr spannend. Bei 41 km habe ich realisiert, dass ich gewinnen kann und sie etwas müde ist." Die Paralympics-Siegerin gab an, dass ihre Sehbehinderung sie nur bei einigen Kurven und Unebenheiten beeinträchtigt habe, gröbere Schwierigkeiten seien dank vieler akustischer Warnhinweise ihres Tempomachers ausgeblieben.
Hinter Gezahagn belegte ihre Landsfrau Haftamnesh Tesfaye in 2:20:18 Platz zwei, die Kenianerin Hellen Chepkorir wurde Dritte in 2:23:48. Beste Österreicherin war Eva Wutti auf Rang zehn in 2:42:37. Im Gegensatz zur Siegerin litt Wutti sehr unter den Bedingungen: „Es war so ein hartes Rennen, aus irgendeinem Grund hat es heute nicht laufen wollen. Das Rennen wurde aufgrund der Wärme mit jeder Minute härter."
Kiprotich überrascht bei den Männern
Der Sieger des Vienna City Marathon steht fest: Fanny Kiprotich setzte sich überraschend gegen die Favoriten durch. Der Kenianer war mit einer persönlichen Bestzeit von 2:11:21 für seinen erst zweiten Marathon überhaupt nach Wien gereist. Wieder einmal fiel die Vorentscheidung im Prater: Der vergleichsweise muskulöse Athlet setzte sich zunächst gemeinsam mit Kibrom bei einer Verpflegungsstation auf der Hauptallee von der Spitzengruppe ab und ließ kurz darauf um die 32-Kilometer-Marke auch den Topfavoriten stehen. Mit seiner Zeit brach Kiprotich seinen eigenen Marathon-Rekord von 2:11:21 deutlich. „Das Wetter war gut, der Pacemaker, die Organisation, alles war hervorragend. Ich komme gerne wieder. Mein nächstes Ziel ist es, meine Bestzeit wieder zu verbessern", sagte Kiprotich.
Zweiter wurde der als Mitfavorit gehandelte Oqbe Kibrom aus Eritrea in 2:08:10, Charles Mneria aus Kenia komplettierte das Podium in 2:08:42. ÖLV-Rekordhalter Aaron Gruen musste kurz vor der Halbmarathon-Marke aufgeben. Der in den USA lebende 27-Jährige hatte eine Verbesserung seiner im Vorjahr aufgestellten ÖLV-Bestmarke von 2:09:53 Stunden geplant gehabt. Andreas Vojta wurde in 2:15:07 als Neunter bester Österreicher und zweitbester Europäer.
Lokalmatadore im Halbmarathon, Rekord im 5K
Beim Wiener Städtische Halbmarathon feierten zwei österreichische Lokalmatadore ihren Triumph: Timo Hinterndorfer lief in 1:02:58 zum Sieg, Larissa Matz gewann bei den Frauen in 1:15:15. Beide wurden vom Publikum lautstark ins Ziel getragen. Die zweitplatzierte Nicole Bauer verbesserte bei ihrem Debüt in 1:15:37 den österreichischen U23-Rekord des ÖLV.
Bereits am Samstag hatte die Vorarlbergerin Lisa Redlinger für Aufsehen gesorgt: Beim Vienna 5K stellte sie mit 15:34 Minuten einen neuen ÖLV-Rekord im 5-km-Straßenlauf auf. Den kulturellen Rahmen des Marathon-Wochenendes bildete das ausverkaufte „Konzert zum Marathon" im Goldenen Saal des Musikvereins, bei dem VCM-Läuferinnen und -Läufer gemeinsam mit den Wiener Symphonikern auftraten.
Großevent mit reibungslosem Ablauf
Bei einer Veranstaltung dieser Dimension ist die Logistik mindestens so anspruchsvoll wie der sportliche Wettkampf selbst. Der Marathon verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Das Wiener Rote Kreuz meldete insgesamt 387 medizinische Interventionen, davon 78 Krankenhausabtransporte. Hunderttausende Zuschauerinnen und Zuschauer säumten die Strecke, über 60 Cheering Zones, Musikacts und Fan-Hotspots sorgten für Stimmung von der Reichsbrücke bis vor das Burgtheater.
Die Anmeldung für den nächsten Vienna City Marathon am 18. April 2027 wurde bereits mit dem heutigen Renntag geöffnet.







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