Vienna City Marathon Läufer spielen mit Wiener Symphonikern im Goldenen Saal

Vienna City Marathon Läufer spielen mit Wiener Symphonikern im Goldenen Saal
Bild: © Igor Ripak | Konzert zum Marathon mit VCM-Läufer*innen und Wiener Symphonik

Vienna City Marathon Läufer spielen mit Wiener Symphonikern im Goldenen Saal

18. April 20263 Minuten Lesezeit

42 Läufer und Wiener Symphoniker vereinen Sport und Musik bei einzigartigem Konzert im Wiener Musikverein am 18. April 2026.

Der Goldene Saal des Wiener Musikvereins hat schon viele besondere Abende erlebt. Doch was am Samstag, 18. April 2026, dort stattfand, war selbst für diesen Ort etwas Neues: 42 Läuferinnen und Läufer des Vienna City Marathon spielten gemeinsam mit den Wiener Symphonikern unter Dirigent Tobias Wögerer, der ausverkaufte Saal antwortete mit Standing Ovations.

Ein Orchester aus zwei Welten

Das Orchester setzte sich aus 42 Läuferinnen und Läufern sowie 40 Mitgliedern der Wiener Symphoniker zusammen. Erkennbar waren die Athletinnen und Athleten an türkisen VCM-Shirts unter schwarzem Sakko oder Blazer. Im Vorfeld konnten sich VCM-Teilnehmende nicht nur für eine Startnummer anmelden, sondern auch eine Videobewerbung für einen Platz auf der Bühne einreichen. Die Entscheidung lag bei den Musikern der Wiener Symphoniker, die die Einsendungen sichteten, mit dem Anspruch, möglichst viele einzubeziehen, aber gleichzeitig sicherzustellen, dass es musikalisch funktioniert. Das Orchester kam in dieser Besetzung erstmals am Freitag vor dem Konzert zusammen.

Die Truppe aus Profimusikern und sportiven Laienspielern führte der gebürtige Linzer Tobias Wögerer, selbst Marathonläufer, als Dirigent durch den Vormittag. Unter seiner Leitung wurden Walzer, Märsche und Polkas gespielt, darunter Josef Strauss' „Sport-Polka" und Franz von Suppés Ouvertüre zu „Leichte Kavallerie". Ergänzt wurde das Programm durch Werke von Schubert, Brahms und Lehár, ein Repertoire, das die Verbindung zwischen Wien, Musik und Bewegung hörbar machte.

Aaron Gruen: Rekordläufer mit Cello

Der prominenteste Musiker im Läuferfeld war zweifellos Aaron Gruen. Der 27-Jährige gilt als Ausnahme-Cellist, studiert Medizin in Harvard und hält die österreichischen Rekorde im Halbmarathon und Marathon. Er hält den österreichischen Rekord über die Marathondistanz seit dem 30. März 2025 mit einer Zeit von 2:09:53 Stunden. Gruen spielte die letzten drei Stücke des Konzertprogramms und trat am Tag darauf im Elitefeld des Marathons an.

Für Gruen hatte der Auftritt in Wien eine Bedeutung, die weit über den Sport hinausging. Sein Großvater war als jüdischer Flüchtling aus Wien geflohen. Gruen erhielt die österreichische Staatsbürgerschaft als Nachkomme einer vom NS-Regime verfolgten Person. Der Auftritt im Musikverein, in der Stadt seiner Vorfahren, war für ihn ein persönlicher Moment. Nach dem Konzert sagte Gruen: „Wir haben heute die Sport-Polka gespielt und die Tempobezeichnung ist: schnell. Ich hoffe, dass ich dem auch morgen beim Marathon gerecht werden kann. Es war wie ein guter Shakeout Run. Das Konzert gibt mir Fokus für morgen."

Der Harvard-Medizinstudent und Cellist ließ vor seinem ersten und emotionalen Wien-Auftritt hoffen. Er wollte im Idealfall seinen ÖLV-Rekord von 2:09:53 Stunden knacken, und eine gelungene Vorbereitung inklusive neuer Halbmarathonbestmarke von 61:14 Minuten im Jänner ließ ihn auf ein gelungenes Wien-Debüt hoffen.

Ein Traum, der 17 Jahre brauchte

Die Idee hinter dem Konzert ist älter als viele denken. VCM-Gründer Wolfgang Konrad hatte den Wunsch nach einem klassischen Konzert im Goldenen Saal bereits 2008 formuliert, als der Vienna City Marathon seine Positionierung als Marathon in der Welthauptstadt der Musik festigte. Der Kern des Gedankens: Marathonteilnehmende, die auch Musikerinnen und Musiker sind, sollten gemeinsam mit einem berühmten Wiener Orchester auf einer der bedeutendsten Konzertbühnen der Welt spielen können. Dass diese Idee nun Wirklichkeit wurde, bezeichnete Konrad als persönliche Erfüllung.

Dirigent Tobias Wögerer, der am Tag nach dem Konzert selbst beim Wiener Städtischen Halbmarathon an den Start ging, fasste das Erlebnis so zusammen: „Mit den Wiener Symphonikern und all den Läuferinnen und Läufern des VCM einen gemeinsamen Rhythmus zu finden, das war pure Freude." Jan Nast, Intendant der Wiener Symphoniker, betonte die verbindende Kraft des Projekts: Für ihn ist das Projekt Teil eines größeren Ansatzes. Das Orchester suche immer wieder gezielt nach Orten und Menschen, die man vielleicht nicht sofort mit klassischer Musik verbinde.

Vor 20 Jahren hat der Vienna City Marathon im Mozartjahr den „Mozart Marathon" organisiert. Seither spielt die Verbindung zwischen Sport und Kultur eine wichtige Rolle bei Österreichs größter Laufveranstaltung. Das „Konzert zum Marathon" setzt diese Tradition nun auf einer neuen Ebene fort. Eine Neuauflage ist bereits terminiert: Am 17. April 2027 soll das Konzert erneut im Wiener Musikverein stattfinden, einen Tag vor dem nächsten Vienna City Marathon.

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