Munich Backyard 2026: Mein Erfahrungsbericht über 107,2 Kilometer

Munich Backyard 2026: Mein Erfahrungsbericht über 107,2 Kilometer
Foto: © Ferdinand Frank

Munich Backyard 2026: Mein Erfahrungsbericht über 107,2 Kilometer

6 september 20266 minutes Leestijd

16 Runden mit über 100 Kilometer: Mein Erfahrungsbericht vom Munich Backyard 2026 an der Regattastrecke in Oberschleißheim.

Das Format Backyard Ultra fasziniert mich schon seit über einem Jahr, und ich hatte immer wieder mit dem Gedanken geliebäugelt, mich selbst einmal daran zu versuchen. Dass der Munich Backyard nur etwa 25 Autominuten von mir zu Hause entfernt stattfindet, hat die Entscheidung leicht gemacht.
Am 1. August 2026 bin ich beim 75 Kilometer Mammutmarsch gestartet, gut fünf Wochen vor dem Munich Backyard. Mitte August habe ich mich dann relativ spontan und recht spät angemeldet, da ich zunächst herausfinden wolle, ob meine Beine den Mammutmarsch wirklich weggesteckt haben oder ob sich noch etwas rächt.

Ein Backyard Ultra funktioniert nach einem einfachen, aber gnadenlosen Prinzip. Jede Stunde startet eine neue Runde von 6,7 Kilometern. Wer die Runde nicht innerhalb der Stunde schafft, scheidet aus. Wer zu früh zurück ist, wartet auf den nächsten Start. Das geht so lange, bis nur noch eine Person übrig ist, die eine Runde alleine läuft. Alle anderen gelten offiziell als DNF, unabhängig davon, ob sie nach einer Runde aufhören oder nach zwanzig. Genau dieses Format macht die Veranstaltung so besonders: Jeder setzt sich sein eigenes Ziel, und trotzdem laufen alle gemeinsam.

Meins war klar umrissen. 10 Runden, also 67 Kilometer, als unteres Ziel. 15 Runden und damit über 100 Kilometer als oberes Ziel, um meine bisherige Bestleistung vom 100 Kilometer Mammutmarsch aus dem Jahr 2024 zu knacken.

Die Vorbereitung wackelte

Ganz reibungslos verlief die Vorbereitung nicht. Zwei Wochen vor dem Event bekam ich Probleme mit der rechten Wade und der Achillessehne. Ich habe das Laufvolumen reduziert und das Training entsprechend angepasst, bin aber mit einem mulmigen Gefühl an den Start gegangen.

Am Freitag vor dem Rennen habe ich gemeinsam mit meiner Freundin Leila eingecheckt und unseren Pavillon aufgebaut.

Schon an diesem Tag war die professionelle Atmosphäre der Veranstalter spürbar. Alles wirkte durchdacht, von der Zeltaufteilung bis zur Beschilderung, und die Vorfreude war entsprechend groß.

Am Samstag ging es dann mit Leila zur Regattastrecke in Oberschleißheim. Die ersten beiden Runden liefen im Regen. In Runde 2 spürte ich die rechte Wade noch deutlich, doch irgendwann im Verlauf dieser Runde lösten sich die Beschwerden ganz plötzlich. Ab Runde 3 hatte ich von dieser Seite überraschenderweise keine Probleme mehr.

Ein Verpflegungsplan, der aufging

In den ersten Runden hat mich Leila alleine betreut, und zwar sehr gut. Ich hatte mir im Vorfeld genau überlegt, wann ich welche Verpflegung zu mir nehmen möchte, und alles entsprechend abgepackt und vorbereitet. Das hat über das gesamte Rennen funktioniert. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Magenprobleme und fühlte mich durchgängig gut versorgt, was bei einem Rennen dieser Länge keine Selbstverständlichkeit ist.

Ab Runde 4 wurde es dann merklich warm. Ich habe stark geschwitzt und in jeder einzelnen Runde das Laufshirt gewechselt, weil das alte jedes Mal komplett durchnässt war. Wegen des erhöhten Schweißverlusts habe ich die Ernährung angepasst und zusätzlich Salztabletten eingebaut. Ab dieser Phase kamen auch weitere Freunde und Familie dazu, um mich zu unterstützen. Das hat enorm geholfen, über die einzelnen Runden zu kommen.

Ein Detail, das sich im Nachhinein ausgezahlt hat: Ich habe regelmäßig Füße und Socken kontrolliert und bin immer wieder zwischen zwei Schuhmodellen hin und her gewechselt. Am Ende hatte ich dadurch so gut wie keine neuen Blasen, nur die alten Blessuren vom Mammutmarsch waren noch zu spüren.

Wadenkrämpfe und ein Tempo, das sich verdoppelt anfühlte

Ab Runde 7 kamen dann die Krämpfe, mit denen ich eigentlich nicht gerechnet hatte. Zunächst links in der Wade und am hinteren Oberschenkel, was mich selbst überraschte, da ja ursprünglich die rechte Seite Probleme gemacht hatte. Zwei, drei Runden später zogen die Krämpfe auch rechts nach. Es waren keine Krämpfe, die zum Abbruch zwangen, sondern eher Dauerkrämpfe, die sich mit jedem Schritt bemerkbar machten.

Ab Runde 8 merkte ich, wie sehr sich die Belastung summierte. Mein angestrebtes Zieltempo von 7:30 Minuten pro Kilometer fühlte sich an, als würde ich mit 5:30 laufen. Gehsegmente, die ich fest eingeplant hatte, um den Puls runterzubringen und in Ruhe aus meiner Soft Flask zu trinken, die ich jede Runde mit mir führte, wurden kaum noch machbar, ohne zu viel an Zeit zu verlieren. Runde acht und neun waren dann auch mental die schwierigsten, ich musste zu Musik greifen, um durchzukommen. Was mich weitertrug, war der Gedanke an Runde zehn und mein ursprüngliches Ziel von 67 Kilometern, das plötzlich zum Greifen nah war.

Ohne den Support von Freunden und Familie wäre diese Phase deutlich härter geworden. Sie haben mich immer wieder mit Massagen und guter Verpflegung durch die Runden gebracht.

Die Nacht bricht herein

Ab Runde 10 setzte ich mir die nächsten Ziele nicht mehr im großen Ganzen, sondern Stück für Stück: erst 12 Runden, dann 13, dann 14. Ab derselben Runde wurden Warnweste und Stirnlampe Pflicht, denn die Dunkelheit war da. Die Stimmung im Feld veränderte sich schlagartig. Alle Teilnehmer wurden ruhiger, jeder zog sich in seinen eigenen Tunnel zurück. Das war noch einmal ein ganz anderes Erlebnis als tagsüber. Zum Glück blieb der Abend mild, sodass ich weiterhin im T-Shirt laufen konnte, das ich auch nachts noch mit jeder Runde durchschwitzte und wechselte.

Ab Runde 13 setzte sich in meinem Kopf ein neuer Gedanke fest: Runde 16 wäre eigentlich schön, weil ich damit mein oberes Ziel von 15 Runden erreicht und zusätzlich meine bisherige 100-Kilometer-Bestleistung überboten hätte. Gleichzeitig wurden die Wadenkrämpfe stärker, und auch der rechte Hüftbeuger meldete sich zunehmend. Erträglich war es trotzdem, also entschied ich, erst einmal bis Runde 15 zu kommen und dann spontan zu entscheiden. In Runde 15 stand für mich fest: Die 16. Runde wollte ich noch.

Um ein Uhr nachts in die letzte Runde

Um ein Uhr nachts ging es los in Runde 16. Diese letzte Runde war mental noch einmal eine Herausforderung für sich. Ich bin fast durchgängig gelaufen, nur mit ganz kleinen Gehpausen, und konnte trotzdem kaum noch die 8-Minuten-Kilometer-Marke halten. Am Ende habe ich es geschafft und konnte mit einem enormen Glücksgefühl und großer Zufriedenheit nach Runde 16 die typische Backyard-Ultra-Glocke läuten. 107,2 Kilometer standen am Ende auf der Uhr, deutlich mehr als meine bisherige Bestleistung.

Wer beim Backyard Ultra nicht gewinnt, gilt formal als DNF, egal nach wie vielen Runden. Am Fotostand habe ich das mit einem Grinsen bestätigt, gemeinsam mit Freunden und Familie, die die ganze Zeit über mit dabei waren.

Warum mich das Format überzeugt hat

Das Munich Backyard war enorm gut organisiert, das war schon am Freitag beim Check-in klar und hat sich über das gesamte Wochenende bestätigt. Für mich persönlich ist das Format eine der schönsten Arten, Ultralauf zu erleben, weil es alle Leistungsgruppen einschließt. Es spielt keine Rolle, ob jemand eine Runde absolviert oder 24 oder noch mehr. Jeder ist willkommen, jeder verfolgt sein eigenes Ziel, und trotzdem läuft man gemeinsam.

Das macht ein Backyard Ultra auch für Zuschauer besonders angenehm. Beim Munich Backyard gab es neben Start und Ziel noch zwei weitere Stellen auf der Strecke, an denen Freunde und Familie die Läufer anfeuern konnten. Diese Möglichkeit wurde rege genutzt und hat für enorm viel Motivation gesorgt, gerade in den Runden, in denen es körperlich und mental am schwersten wurde.

Wer sich für die einzelnen Rundenzeiten interessiert, findet meine komplette Auswertung mit allen 16 Splits auf meiner Teilnahmeseite zum Munich Backyard 2026.

Die Rundenzeiten zeigen ganz gut, wie gleichmäßig die ersten Runden liefen und wie stark sich die Belastung ab der zweiten Rennhälfte bemerkbar machte.

Für mich steht jetzt auf jeden Fall erst einmal Erholung an. 😄

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