Die Achillessehne: Was Sportlerinnen und Sportler wissen müssen

Die Achillessehne: Was Sportlerinnen und Sportler wissen müssen
Bild: © SPOFERAN Redaktion | Symboldbild (KI-generiert)

Die Achillessehne: Was Sportlerinnen und Sportler wissen müssen

29. September 202610 Minuten Lesezeit

Was tun bei Schmerzen an der Achillessehne? Die aktuelle Medizin zu Tendinopathie, Teilriss, Ruptur, Therapie und Prävention.

Sie speichert bei jedem Laufschritt Energie, hält Kräfte von mehreren Körpergewichten aus – und kann eine Saison innerhalb einer Sekunde beenden. Tigst Assefas dramatischer Berlin-Marathon zeigt, wie entscheidend wenige Zentimeter Sehne für unseren Sport sind. Was die aktuelle Medizin über Schmerzen, Tendinopathie und Riss weiß.

Tigst Assefas Berlin-Marathon 2026 endete trotz Streckenrekord mit einer schweren Achillessehnenverletzung. Wie dramatisch sich die letzten Kilometer entwickelten, haben wir bereits ausführlich in den Sportnachrichten beschrieben. Später erklärte ihr Manager, Assefas rechte Achillessehne sei komplett gerissen und bereits operiert worden.

Bemerkenswert ist ihre Vorgeschichte: Schon Jahre zuvor hatte Assefa wiederholt Achillessehnenprobleme – ohne dass sich daraus eine Ursache für den jetzigen Riss ableiten lässt.

Ihr Fall rückt damit eine Struktur in den Mittelpunkt, die beim Laufen unverzichtbar ist und gleichzeitig enormen Belastungen standhalten muss: die Achillessehne.

Die Feder unseres Laufschritts

Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein.

Beim Laufen funktioniert sie nicht wie ein starres Seil. Sie wird gedehnt, speichert elastische Energie und gibt einen Teil davon beim Abdruck wieder frei. Diese Federwirkung macht unser Laufen effizient.

Dafür muss die Sehne enorme Kräfte verkraften.

Eine systematische Übersicht kommt beim Laufen je nach Geschwindigkeit und Messmethode auf ungefähr 4,2 bis 7,7 Körpergewichte Belastung. Bei jedem Schritt. Tausende Male während eines längeren Laufs.

Dass Achillessehnenprobleme im Laufsport häufig sind, überrascht deshalb wenig.

Wie häufig Achillessehnenprobleme bei Läufern auftreten, zeigt eine große Untersuchung mit 3.379 Freizeitläuferinnen und -läufern: Innerhalb von durchschnittlich rund fünf Monaten entwickelten 4,2 Prozent neue Beschwerden an der Achillessehne.

Besonders auffällig war die Vorgeschichte. Wer bereits in den zwölf Monaten zuvor Probleme mit der Achillessehne gehabt hatte, entwickelte im Beobachtungszeitraum mehr als sechsmal so häufig erneut Beschwerden wie Läufer ohne eine solche Vorgeschichte.

Eine Achillessehne, die bereits Probleme gemacht hat, verdient also auch dann Aufmerksamkeit, wenn sie zwischenzeitlich wieder ruhig ist. Aber nicht automatisch Ruhe.

Eine „Entzündung“ ist meist komplizierter

Wer morgens bei den ersten Schritten Schmerzen verspürt oder beim Laufen ein Ziehen oberhalb der Ferse bemerkt, spricht schnell von einer Achillessehnenentzündung.

Die moderne Medizin verwendet meist den Begriff Achillestendinopathie.

Das Problem ist nämlich häufig nicht einfach eine klassische Entzündung, die durch Schonung verschwinden muss. Veränderungen des Sehnengewebes, Belastbarkeit, mechanische Reize und auch entzündliche Prozesse können zusammenspielen.

Die Diagnose wird deshalb in erster Linie klinisch gestellt: entscheidend sind Schmerzort, Beschwerden bei Belastung, provozierbare Schmerzen und Druckempfindlichkeit. Ein Ultraschall oder MRT ist bei typischem Verlauf nicht automatisch nötig.

Das ist wichtig, weil ein auffälliges Bild nicht automatisch bedeutet, dass eine Sehne schlecht funktioniert.

Das erste Ziehen bedeutet nicht automatisch Laufverbot

Gerade hier hat sich die Behandlung stark verändert.

Die aktuelle klinische Leitlinie zur Tendinopathie im mittleren Abschnitt der Achillessehne empfiehlt progressive Belastung als Therapie erster Wahl. Vollständige Ruhe wird nicht als Standard empfohlen.

Das bekannte exzentrische Wadenheben kann Teil davon sein. Es ist aber nicht die eine Wunderübung.

Auch schweres langsames Krafttraining und andere progressive Belastungsformen können funktionieren. Entscheidend ist, dass die Muskel-Sehnen-Einheit schrittweise wieder lernt, Belastung zu tolerieren.

  • Die moderne Botschaft lautet deshalb nicht: Eine schmerzende Sehne darf nicht belastet werden.

  • Sondern:

    Eine schmerzende Sehne muss häufig wieder lernen, Belastung zu vertragen.

Wo es weh tut, macht einen Unterschied

Nicht jede Achillessehnenbeschwerde wird gleich behandelt.

Die häufige sogenannte Midportion-Tendinopathie sitzt einige Zentimeter oberhalb der Ferse.

Schmerzen direkt am Ansatz der Sehne am Fersenbein sind etwas anderes.

Dort kann eine starke Beugung des Sprunggelenks zusätzliche Kompression erzeugen. Eine randomisierte Studie zeigte 2025 bessere Ergebnisse, wenn diese Kompression während der Rehabilitation reduziert wurde – unter anderem durch weniger tiefe Sprunggelenksbeugung, vorübergehende Fersenerhöhungen und Verzicht auf intensives Wadendehnen.

Damit bekommt eine der bekanntesten Achillesübungen eine wichtige Einschränkung:

Die Ferse tief über eine Treppenstufe abzusenken ist nicht für jede Achillessehnenproblematik automatisch sinnvoll.

Wo der Schmerz sitzt, verändert die Therapie.

Schmerz ist nicht gleich Riss

Noch wichtiger ist eine zweite Unterscheidung.

Tendinopathie, Teilriss und kompletter Riss sind nicht einfach drei aufeinanderfolgende Stadien derselben Erkrankung.

Eine Tendinopathie kann über Monate bestehen, ohne dass die Sehne jemals reißt.

Und eine Ruptur kann plötzlich auftreten, ohne dass vorher wochenlang Schmerzen bestanden.

Entscheidend ist deshalb häufig, wie sich die Beschwerden verändern.

Ein schleichendes belastungsabhängiges Ziehen ist etwas anderes als ein plötzlich einschießender Schmerz, ein Knall- oder Schnappgefühl und ein deutlicher Kraftverlust beim Abdrücken.

Spätestens dann endet die Botschaft „Belastung ist Therapie“.

Plötzlicher Schmerz plus deutlicher Kraftverlust gehört zeitnah medizinisch abgeklärt.

Der Teilriss bleibt eine Grauzone

Teilrupturen sind besonders schwierig, weil sie wie eine plötzlich verschlechterte Tendinopathie wirken können.

Die wissenschaftliche Datenlage ist deutlich dünner als bei einer gewöhnlichen Tendinopathie oder einem vollständigen Riss. Ultraschall und gegebenenfalls MRT können bei der Abgrenzung helfen. Häufig beginnt die Behandlung mit Schutz vor starker Dehnung und Belastung, gegebenenfalls einer Fersenerhöhung und anschließend vorsichtigem Belastungsaufbau. Größere oder dauerhaft symptomatische Teilrupturen können operiert werden.

Genau deshalb gehört ein plötzlich veränderter Schmerz mit Kraftverlust nicht einfach in das normale Achilles-Trainingsprogramm.

Ein kompletter Riss muss heute nicht automatisch operiert werden

Auch bei der vollständigen Ruptur hat sich die Medizin verändert.

Im größten randomisierten Vergleich wurden Menschen mit akutem Achillessehnenriss entweder konservativ behandelt, offen operiert oder minimalinvasiv operiert.

Nach zwölf Monaten unterschieden sich Funktion und subjektives Ergebnis nicht klinisch relevant.

Allerdings kam es nach konservativer Behandlung häufiger zu erneuten Rupturen: bei 6,2 Prozent gegenüber jeweils 0,6 Prozent nach den beiden Operationsverfahren. Operationen brachten dafür eigene Risiken wie Nervenverletzungen und Wundprobleme mit sich. Die Entscheidung ist deshalb individuell.

Alter, sportlicher Anspruch, Befund, Begleiterkrankungen und persönliche Prioritäten spielen eine Rolle.

Dass eine Weltklasse-Marathonläuferin wie Tigst Assefa operiert wurde, bedeutet nicht, dass jeder Freizeitläufer dieselbe Behandlung benötigt.

Auch nach einem Riss ist Stillhalten nicht mehr das Ziel

Die zweite große Veränderung betrifft die Rehabilitation.

Früher wurde das Bein nach einer Achillessehnenruptur häufig lange immobilisiert.

Heute gehört frühe funktionelle Rehabilitation mit kontrollierter Belastung und Bewegung zum modernen Behandlungskonzept. Eine Metaanalyse von 19 randomisierten Studien fand dadurch keine höhere Wieder­rupturrate als bei längerer traditioneller Immobilisation und teilweise bessere frühe funktionelle Ergebnisse.

Wie früh und wie schnell gesteigert werden sollte, ist allerdings weiterhin nicht vollständig standardisiert.

Und auch sechs Monate bedeuten nicht automatisch, dass alles wieder wie vorher ist.

Nach einem Riss können Kraftdefizite und Veränderungen der Sehne lange bestehen bleiben. Bei Profisportlern zeigt eine systematische Übersicht über verschiedene Sportarten, dass ungefähr drei Viertel wieder auf professionelles Niveau zurückkehrten – im Mittel erst nach etwa elf Monaten. Diese Daten lassen sich nicht direkt auf Marathonläuferinnen übertragen, verdeutlichen aber die Dimension der Verletzung.

Die Rückkehr zum Laufen sollte deshalb nicht nur am Kalender hängen.

Entscheidend ist, was Muskel und Sehne wieder leisten können.

Was bringen PRP, Stoßwelle und Kortison?

Rund um die Achillessehne existiert inzwischen ein großer Markt an Zusatztherapien.

Die Forschung ist deutlich nüchterner.

Für PRP, also plättchenreiches Eigenblutplasma, zeigen aktuelle placebo-kontrollierte Studien und Meta-Analysen keinen überzeugenden klinischen Vorteil bei Achillestendinopathie.

Auch für die Stoßwellentherapie fand eine 2026 veröffentlichte systematische Übersicht keinen überzeugenden Nutzen, der einen routinemäßigen Einsatz als Standardtherapie rechtfertigen würde.

Bei Kortison ist die Lage differenzierter. Eine hochwertige randomisierte Studie fand bessere Ergebnisse, wenn eine ultraschallgesteuerte Kortisoninjektion mit einem strukturierten Trainingsprogramm kombiniert wurde. Das macht Kortison aber nicht zur einfachen Standardlösung: Diagnose, Injektionsort, Technik und anschließende Belastungssteuerung sind entscheidend.

Der stabilste gemeinsame Nenner moderner Behandlung bleibt wesentlich unspektakulärer: progressiv aufgebaute Belastung.

Was kann man vorbeugend für die Achillessehne tun?

Die schlechte Nachricht zuerst: Es gibt kein wissenschaftlich belegtes Achilles-Programm, das einen späteren Schmerz oder Riss zuverlässig verhindert.

Die gute Nachricht: Sehnen sind keine unveränderlichen Seile. Sie passen sich an Belastung an.

Eine große systematische Übersicht zeigt, dass mechanisches Training die Steifigkeit und Materialeigenschaften von Sehnen messbar verändern kann. Besonders deutlich waren die Anpassungen bei höherer, kontrollierter Belastung. Eine aktuelle Analyse speziell zur Achillessehne bestätigt, dass progressives Krafttraining – und später auch schnellere, federnde Belastungen – die mechanischen Eigenschaften einer gesunden Sehne verändern kann. Das beweist noch nicht, dass dadurch jede Verletzung verhindert wird. Es liefert aber eine gute physiologische Grundlage dafür, die Achillessehne zu trainieren, bevor sie Probleme macht.

Für Läuferinnen und Läufer lassen sich daraus einige praktische Regeln ableiten:

  • Die Wade gehört ins Krafttraining. Regelmäßiges Wadenheben sollte nicht erst beginnen, wenn die Achillessehne schmerzt. Sinnvoll sind Varianten mit eher gestrecktem und gebeugtem Knie, weil dadurch unterschiedliche Anteile der Wadenmuskulatur beansprucht werden. Mit zunehmender Belastbarkeit können schwere Wiederholungen und – für entsprechend vorbereitete Sportler – schnellere Übungen wie Hüpfen oder Sprünge hinzukommen. Eine wissenschaftlich belegte perfekte Zahl von Sätzen oder Trainingstagen zur Verletzungsprävention gibt es allerdings nicht.

  • Neue Belastungen verdienen Zeit. Lange Läufe, deutlich höheres Tempo, Bergläufe, Intervalle und Sprungbelastungen fordern die Achillessehne auf unterschiedliche Weise. Auch wenn sich keine universelle „Zehn-Prozent-Regel“ wissenschaftlich begründen lässt, sprechen aktuelle Daten dafür, große ungewohnte Belastungssprünge zu vermeiden. Eine große prospektive Untersuchung von mehr als 5.000 Läufern fand ein erhöhtes Verletzungsrisiko insbesondere dann, wenn einzelne Läufe deutlich länger waren als das, woran die betreffende Person zuletzt gewöhnt war. Andere Übersichten zeigen allerdings, dass sich aus Wochenkilometern allein keine sichere Verletzungsgrenze ableiten lässt.

  • Die eigene Vorgeschichte ist wichtiger als irgendeine magische Kilometerzahl. In einer Untersuchung mit 3.379 Freizeitläufern war eine Achillestendinopathie innerhalb des vorangegangenen Jahres der mit Abstand stärkste gefundene Risikofaktor: Betroffene entwickelten mehr als sechsmal so häufig erneut Beschwerden. Wer schon einmal Probleme hatte, sollte Waden- und Sehnentraining deshalb nicht beenden, sobald der Schmerz verschwunden ist.

  • Dehnen ist keine Versicherung gegen Achillesprobleme. Für routinemäßiges Wadendehnen als Präventionsmaßnahme gibt es keinen überzeugenden Nachweis. Gerade bei Schmerzen direkt am Sehnenansatz kann starkes Dehnen beziehungsweise tiefes Absenken der Ferse die Sehne zusätzlich komprimieren. Mobilität kann sinnvoll sein – sie ersetzt aber keine belastbare Muskel-Sehnen-Einheit.

  • Vorsicht bei radikalen Schuhwechseln. Einen allgemein „achillesfreundlichsten“ Laufschuh gibt es nicht. Problematischer kann der schnelle Wechsel auf ungewohnte Schuhe oder einen völlig anderen Laufstil sein. Eine aktuelle Meta-Analyse fand bei der Umstellung auf minimalistische Schuhe mehr muskuloskelettale Verletzungen; zu den häufiger berichteten Problemen gehörten Achillestendinopathien und Wadenschmerzen. Wer Schuhsprengung oder Laufstil stark verändert, sollte deshalb auch der Sehne Zeit zur Anpassung geben.

  • Und schließlich lohnt es sich, das wahrscheinlich beste Frühwarnsystem ernst zu nehmen: die eigene Achillessehne am Morgen.

    Wiederkehrende Morgensteifigkeit, Druckempfindlichkeit oder ein Ziehen, das über mehrere Einheiten zunimmt, sind kein Beweis für einen bevorstehenden Riss. Sie können aber zeigen, dass die aktuelle Belastung die momentane Belastbarkeit der Sehne übersteigt.

Prävention bedeutet deshalb weniger, jede Belastung zu vermeiden. Sondern die Belastbarkeit so aufzubauen, dass die Sehne das aushält, was wir später von ihr verlangen.

Die beste Vorbereitung auf Tausende Laufschritte beginnt nicht erst beim ersten Schmerz.

Wann Läufer hellhörig werden sollten

Morgensteifigkeit, wiederkehrendes Ziehen beim Einlaufen oder zunehmender Druckschmerz bedeuten nicht automatisch, dass das Laufen beendet werden muss.

Sie sind aber ein Signal dafür, dass Belastung und Belastbarkeit nicht mehr sauber zusammenpassen.

Bei typischer Tendinopathie besteht die Lösung häufig darin, Belastung anzupassen und die Sehne gezielt wieder aufzubauen.

Anders sieht es aus bei: plötzlich einschießendem Schmerz, Knall- oder Schnappgefühl, deutlichem Kraftverlust oder Problemen beim normalen Abdrücken.

Dann sollte nicht mehr die Frage lauten: Kann ich damit noch weiterlaufen? Sondern: Ist die Sehne noch intakt?

Was tun, wenn die Achillessehne schmerzt?

Die Forschung liefert keine einfache Regel für jeden Achillessehnenschmerz. Für Sportlerinnen und Sportler lassen sich aber einige praktische Leitlinien ableiten:

  • Schleichendes Ziehen, Morgensteifigkeit oder belastungsabhängige Schmerzen: Nicht automatisch komplett mit dem Sport aufhören. Trainingsumfang und besonders intensive Belastungen zunächst so anpassen, dass die Beschwerden kontrollierbar bleiben. Parallel sollte die Wadenmuskulatur mit progressivem Krafttraining wieder gezielt belastbarer gemacht werden. Verschlechtern sich die Beschwerden von Woche zu Woche oder bleiben sie trotz sinnvoller Belastungssteuerung bestehen, ist eine sportmedizinische oder physiotherapeutische Abklärung sinnvoll.

  • Schmerz direkt am Fersenbein: Nicht einfach das klassische Fersenheben über einer Treppenstufe übernehmen. Bei Beschwerden am Sehnenansatz kann das tiefe Absenken zusätzliche Kompression erzeugen. Hier sollte die Belastung zunächst in einem weniger stark gebeugten Sprunggelenk aufgebaut werden; zeitweise können auch Fersenerhöhungen sinnvoll sein.

  • Plötzlich einschießender Schmerz, Knall- oder Schnappgefühl oder deutlicher Kraftverlust: Training sofort beenden und die Sehne zeitnah medizinisch untersuchen lassen. Besonders wenn normales Abdrücken oder ein einbeiniger Zehenstand plötzlich kaum noch möglich sind, muss ein Teil- oder Komplett­riss ausgeschlossen werden.

  • Nicht auf die vermeintliche Wunderbehandlung hoffen: PRP, Stoßwelle und andere Zusatzverfahren haben bei Achillestendinopathie bislang keinen überzeugenden Vorteil gegenüber einer guten, konsequenten Rehabilitation gezeigt. Entscheidend bleiben Diagnose, Belastungssteuerung und progressiver Wiederaufbau.

Vielleicht lässt sich die wichtigste Regel deshalb erstaunlich einfach zusammenfassen:

Eine Achillessehne sollte weder grundsätzlich geschont noch Schmerz grundsätzlich ignoriert werden. Entscheidend ist, ob sie unter kontrollierter Belastung wieder belastbarer wird – oder ob sich Art und Funktion plötzlich verändern.

Was Assefas Rennen wirklich zeigt

Tigst Assefa lief trotz ihrer Verletzung weiter. Sie gewann. Sie stellte einen Streckenrekord auf.

Das macht ihre Leistung außergewöhnlich. Es macht ihr Weiterlaufen aber nicht zu einer medizinischen Empfehlung.

Was genau während der letzten Kilometer in ihrer Sehne geschah und wann die vollständige Ruptur entstand, lässt sich aus den öffentlich bekannten Informationen nicht rekonstruieren.

Für Sportlerinnen und Sportler bleibt eine andere Lehre. Die Achillessehne ist keine fragile Struktur. Sie ist gebaut, enorme Kräfte aufzunehmen und wieder abzugeben. Aber gerade deshalb verdient sie Aufmerksamkeit.

  • Schmerz bedeutet nicht automatisch Schaden.

  • Belastung bedeutet nicht automatisch Verschleiß.

  • Und Ruhe bedeutet nicht automatisch Heilung.

Die moderne Medizin ist weitergekommen, weil sie diese einfachen Gleichungen aufgegeben hat. Vielleicht ist deshalb das Wichtigste, was Sportlerinnen und Sportler über ihre Achillessehne wissen müssen: Sie sollte belastet werden, damit sie belastbar bleibt.

Aber wenn aus einem bekannten Ziehen plötzlich Schmerz und Kraftverlust werden, ist nicht mehr Durchhaltevermögen gefragt. Sondern Aufmerksamkeit.

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