Doping im Sport: Was es im Körper bewirkt – und warum das Problem nicht nur Profis betrifft

Doping im Sport: Was es im Körper bewirkt – und warum das Problem nicht nur Profis betrifft
Fotografía: © SPOFERAN Redaktion | Symbolbild (KI-generiert)

Doping im Sport: Was es im Körper bewirkt – und warum das Problem nicht nur Profis betrifft

October 9, 20269 minutos Tiempo de lectura

Was EPO, Anabolika und Schmerzmittel im Körper bewirken, welche Risiken sie bergen und warum Doping auch im Amateursport ein Thema ist.

EPO kann den Sauerstofftransport verändern, Anabolika können Muskeln und Kraft wachsen lassen, Schmerzmittel können Grenzen verschieben. Doping wäre kein Problem, wenn es grundsätzlich wirkungslos wäre. Doch dieselben Eingriffe, die Leistung versprechen, verändern Herz, Blut, Hormone und Stoffwechsel. Was die Wissenschaft heute über Wirkung, Risiken – und Doping im Amateursport – weiß.

Die vielleicht unbequemste Wahrheit über Doping lautet: Manches davon funktioniert.

Nicht jede verbotene Substanz macht einen Menschen schneller oder stärker. Bei manchen Mitteln ist die wissenschaftlich belegte Leistungssteigerung sogar erstaunlich dürftig. Andere greifen jedoch genau in jene Systeme ein, die sportliche Leistung begrenzen: den Sauerstofftransport, den Muskelaufbau, die Wahrnehmung von Anstrengung oder die Fähigkeit, unter Belastung weiterzumachen.

Gerade deshalb lohnt der Blick auf die gesundheitlichen Folgen.

Denn wer einen physiologischen Mechanismus künstlich verändert, verändert selten nur die sportliche Leistung.

Nicht alles, was verboten ist, macht automatisch schneller

Die Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur umfasst sehr unterschiedliche Stoffe und Methoden: von anabolen Substanzen über EPO und Wachstumshormone bis zu Stimulanzien, Diuretika und Blutmanipulation.

Dabei ist wichtig: Eine Substanz muss nicht nachweislich in jeder Sportart schneller oder stärker machen, um verboten zu sein. Für eine Aufnahme auf die WADA-Liste müssen mindestens zwei von drei Kriterien erfüllt sein: ein mögliches Leistungspotenzial, ein tatsächliches oder mögliches Gesundheitsrisiko und ein Verstoß gegen den sogenannten Geist des Sports.

Und die Attraktivität einer Substanz hängt stark davon ab, was in der jeweiligen Sportart Leistung begrenzt.

  • Im Marathon zählt Sauerstoff.

  • Im Gewichtheben Kraft.

  • Beim Schießen Ruhe.

  • In Gewichtsklassen mitunter die Zahl auf der Waage.

  • Und in einem langen Radrennen kann irgendwann sogar die Wahrnehmung von Schmerz leistungsentscheidend werden.

Im Ausdauersport wird das Blut zum Ziel

Erythropoetin – kurz EPO – stimuliert die Bildung roter Blutkörperchen. Mehr rote Blutkörperchen bedeuten mehr Hämoglobin und grundsätzlich eine größere Kapazität, Sauerstoff zu den arbeitenden Muskeln zu transportieren.

Eine systematische Übersicht von 2025 über gut trainierte Ausdauerathleten zeigt entsprechend höhere Hämoglobinwerte und eine höhere maximale Sauerstoffaufnahme nach EPO-Gabe; auch maximale Leistungsparameter verbesserten sich tendenziell. Wie zuverlässig sich das auf reale Wettkampfleistungen übertragen lässt, ist dagegen weniger eindeutig.

Das zeigte ein viel beachteter Versuch mit trainierten Radfahrern besonders schön: Im Labor verbesserten sich physiologische und maximale Leistungswerte. Beim anschließenden Rennen auf den Mont Ventoux waren die mit EPO behandelten Fahrer trotzdem nicht schneller als die Placebogruppe.

Dopingwirkung ist also selbst bei einem berühmten Mittel nicht so simpel wie: Substanz hinein, Prozentzahl heraus.

Physiologisch greift die Manipulation dennoch tief ein. Eine übermäßige Erhöhung der roten Blutkörperchen kann die Fließeigenschaften des Blutes verändern; Bluthochdruck und thromboembolische Ereignisse gehören zu den diskutierten Risiken.

Wie häufig solche Schäden unter realen Dopingbedingungen auftreten, lässt sich allerdings kaum präzise untersuchen. Kontrollierte Langzeitversuche, bei denen gesunde Menschen absichtlich gefährlichen Dopingregimen ausgesetzt würden, verbieten sich aus naheliegenden Gründen.

Anabolika: Wenn Wirkung und Risiko gut sichtbar werden

Bei anabolen-androgenen Steroiden ist die Leistungswirkung wesentlich besser dokumentiert.

Sie verstärken Wirkungen männlicher Sexualhormone und fördern unter anderem den Aufbau von Muskelprotein. Kontrollierte Studien zeigen, dass Muskelmasse und Kraft dadurch deutlich zunehmen können. Das erklärt ihre Bedeutung im Kraftsport und Bodybuilding.

Die gesundheitliche Bilanz ist inzwischen allerdings ebenfalls bemerkenswert gut dokumentiert. Eine große dänische Kohortenstudie verglich Männer mit dokumentiertem Anabolikagebrauch über Jahre mit einer wesentlich größeren Kontrollgruppe. Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche traten unter den Nutzern deutlich häufiger auf. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, beweisen diese Zahlen keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung; die Ergebnisse passen aber zu einer wachsenden Zahl anderer Untersuchungen.

Eine aktuelle Metaanalyse mit 2.000 Männern zeigt zudem dickere Herzwände, größere Herzmuskelmasse und gleichzeitig schlechtere Messwerte der Pumpfunktion bei Anabolikanutzern. Eine weitere Metaanalyse fand im Durchschnitt einen um gut zwölf mmHg höheren systolischen und acht mmHg höheren diastolischen Blutdruck, höhere LDL-Cholesterinwerte sowie deutliche Veränderungen der körpereigenen Testosteronproduktion.

Besonders interessant sind inzwischen sogar Langzeitdaten. In einer über 16 Jahre verfolgten kleinen Kohorte besserten sich Herzstruktur und -funktion bei ehemaligen Nutzern teilweise wieder, während fortgesetzter Anabolikagebrauch mit anhaltenden Veränderungen verbunden blieb. Die Studie ist klein, zeigt aber, dass manche Folgen zumindest teilweise reversibel sein könnten – und andere über viele Jahre bestehen.

Der Muskel wächst sichtbar. Was gleichzeitig im Herzen oder Hormonhaushalt geschieht, sieht man im Spiegel nicht.

Wachstumshormon: Mehr Masse ist nicht automatisch mehr Leistung

Beim menschlichen Wachstumshormon zeigt sich dagegen, wie weit Ruf und Wissenschaft auseinanderliegen können.

Eine Metaanalyse placebo-kontrollierter Untersuchungen mit 254 gesunden jungen Erwachsenen fand mehr fettfreie Masse und weniger Körperfett. Muskelkraft und maximale Sauerstoffaufnahme verbesserten sich jedoch nicht.

Schon frühere kontrollierte Untersuchungen kamen zu einem ähnlichen Bild. Teilweise lässt sich der Anstieg der sogenannten fettfreien Masse zudem durch mehr Körperwasser erklären.

Wachstumshormone sind damit ein gutes Beispiel dafür, warum die WADA-Liste keine Rangliste besonders effektiver Leistungssteigerer ist. Manches Doping wirkt wesentlich weniger spektakulär, als sein Ruf vermuten lässt.

Wenn Medikamente nicht den Körper, sondern die Grenze verändern

Nicht jede Leistungssteigerung entsteht durch mehr Muskeln oder mehr Sauerstoff. Manche Substanzen verändern vor allem, wie Belastung wahrgenommen wird.

Tramadol zeigt das besonders anschaulich. Das starke Schmerzmittel ist seit 2024 im Wettkampf verboten. In einem randomisierten Versuch absolvierten hochtrainierte Radfahrer ein 25-Meilen-Zeitfahren unter Tramadol im Durchschnitt rund 1,3 Prozent schneller und hielten eine höhere Leistung aufrecht; gleichzeitig empfanden sie eine vorangegangene konstante Belastung als weniger anstrengend.

Andere Studien fanden keinen eindeutigen Vorteil. Trotzdem zeigt das Experiment ein grundsätzliches Problem:

  • Der Körper kann weiterhin belastet sein, obwohl sich die Belastung weniger deutlich anfühlt.

  • Das Medikament verbessert dann nicht unbedingt den Motor.

  • Es verändert möglicherweise das Signal, wann der Fahrer vom Gas geht.

Warum ein Schütze etwas anderes braucht als ein Marathonläufer

Kaum etwas verdeutlicht die Sportspezifik von Doping besser als Betablocker. Im Ausdauersport wäre eine künstlich gedämpfte Herzfrequenz kaum der offensichtliche Weg zu mehr Leistung. In Sportarten, in denen kleinste Bewegungen über Treffer und Fehlschuss entscheiden, können weniger Herzklopfen und Tremor dagegen vorteilhaft sein. Deshalb sind Betablocker nicht generell in allen Sportarten verboten, sondern insbesondere in bestimmten Präzisionssportarten.

Diuretika folgen wiederum einer völlig anderen Logik. Sie machen einen Menschen nicht stärker oder ausdauernder. Durch die erhöhte Wasserausscheidung können sie jedoch kurzfristig Gewicht reduzieren – interessant in Sportarten mit Gewichtsklassen – und bestimmte andere Substanzen verschleiern.

Das vermeintlich einheitliche Phänomen Doping besteht deshalb aus sehr verschiedenen Eingriffen. Gemeinsam ist ihnen vor allem eine Frage: Was begrenzt mich in meiner Sportart – und lässt sich genau dort pharmakologisch nachhelfen?

Doping endet nicht dort, wo die Fernsehkameras fehlen

Beim Wort Doping denken viele zunächst an Olympische Spiele, Tour de France oder Weltmeisterschaften.

Die Forschung zeichnet längst ein breiteres Bild. Wie häufig im Amateursport tatsächlich gedopt wird, ist allerdings ausgesprochen schwer zu bestimmen. Wer verbotene Mittel nimmt, wird das in einer normalen Befragung nicht zwangsläufig wahrheitsgemäß angeben. Positive Kontrollen wiederum erfassen nur den Bruchteil der Sportler, der überhaupt getestet wird.

Bei 1.953 Freizeit-Triathletinnen und -Triathleten aus Deutschland schätzte eine Untersuchung mithilfe einer anonymisierten Befragungsmethode potenzielles körperliches Doping auf sieben Prozent. 11,3 Prozent berichteten außerdem Schmerzmittelgebrauch innerhalb der vergangenen drei Monate. Die Forschenden erfassten keine einzelnen Substanzen, weshalb diese sieben Prozent ausdrücklich nicht sieben Prozent nachgewiesene Dopingfälle bedeuten.

Eine frühere deutsche Untersuchung mit mehr als 2.000 Freizeit-Triathleten kam je nach Veranstaltung und statistischer Methode auf Werte zwischen ungefähr vier und zwölf Prozent. Auch diese Zahlen zeigen weniger eine exakte Prävalenz als die Schwierigkeit, ein verborgenes Verhalten zuverlässig zu messen.

Der vermutlich seriöseste Satz lautet deshalb:

Wir wissen nicht genau, wie viele Amateursportler dopen. Wir wissen aber, dass das Phänomen nicht am Übergang vom Profi- zum Breitensport verschwindet.

Im Ultramarathon sieht die Welt noch einmal anders aus

Eine besonders ungewöhnliche Untersuchung analysierte anonym 412 Urinproben von Ultramarathonläufern. In fast jeder zweiten Probe wurde irgendein Arznei- oder Wirkstoff gefunden; 16,3 Prozent enthielten mindestens eine nach Anti-Doping-Regeln verbotene Substanz.

Das klingt zunächst nach massenhaftem Doping. Doch genau das fanden die Forschenden nicht. Am häufigsten tauchten entzündungshemmende Schmerzmittel und Paracetamol auf. EPO-Rezeptor-Agonisten oder verdächtige Testosteronwerte fanden sie dagegen gar nicht. Die Autoren bezeichneten klassisches leistungssteigerndes Doping entsprechend als marginal – den Medikamentengebrauch dagegen als ausgesprochen verbreitet.

Das ist eine wichtige Unterscheidung. Ein verbotener Wirkstoff in einer Probe kann einen Anti-Doping-Verstoß darstellen. Er erzählt aber nicht zwangsläufig dieselbe Geschichte wie systematisches EPO- oder Steroiddoping. Und umgekehrt kann ein erlaubtes Medikament gesundheitlich problematisch eingesetzt werden, ohne auf irgendeiner Verbotsliste aufzutauchen.

Zwischen Doping und Selbstoptimierung liegt eine wachsende Grauzone

Damit verlässt die Geschichte irgendwann die saubere Trennung zwischen „clean“ und „gedopt“.

  • Ibuprofen ist kein Dopingmittel.

  • Koffein ebenfalls nicht.

  • Kreatin nicht.

  • Nahrungsergänzungsmittel zum größten Teil ebenfalls nicht.

Trotzdem stellt sich gerade im ambitionierten Amateursport die Frage, wie selbstverständlich Medikamente und andere Substanzen inzwischen zum Werkzeug der Leistungsoptimierung geworden sind.

Schmerzen vor dem Wettkampf prophylaktisch zu unterdrücken ist sportrechtlich etwas völlig anderes als EPO. Physiologisch bleibt aber die Frage, weshalb der Körper diesen Schmerz überhaupt meldet.

Und damit beginnt die spannendere Geschichte: nicht nur die des verbotenen Dopings, sondern die eines Sports, in dem immer mehr Dinge durch Wearables & Co. messbar, steuerbar und dadurch vermeintlich optimierbar erscheinen.

Zwei Welten desselben Sports

Wie groß der Unterschied zwischen Spitzen- und Breitensport beim Thema Dopingkontrolle tatsächlich ist, zeigte ausgerechnet der deutsche Sprint in diesem Sommer.

Gegen den deutschen Rekordsprinter Owen Ansah läuft derzeit ein sportrechtliches Verfahren, weil die NADA ihm vorwirft, im Juli eine unangekündigte Dopingkontrolle nicht absolviert zu haben. Ansah bestreitet, die Kontrolle tatsächlich verweigert zu haben; der Fall liegt beim Deutschen Sportschiedsgericht und ist noch nicht abschließend entschieden. Nach dem Anti-Doping-Regelwerk kann eine vorsätzliche Verweigerung mit vier Jahren Sperre geahndet werden. Der Fall löste deshalb auch eine öffentliche Diskussion darüber aus, wie streng ein System sein darf oder sein muss, wenn unangekündigte Kontrollen ihren Zweck erfüllen sollen.

Ansah gehört als Spitzenathlet zu einer Welt, in der Kontrolle bewusst unberechenbar sein soll. Athleten in den NADA-Testpools können unangekündigt beim Training, zu Hause oder unterwegs kontrolliert werden. Rund 8.000 Athletinnen und Athleten gehören diesen Testpools an.

Wenige Startreihen weiter hinten kann die Realität vollkommen anders aussehen. Die NADA schreibt selbst in ihrem Media Guide, dass sie grundsätzlich für den Leistungssport zuständig ist und reine Breitensportveranstaltungen nicht kontrolliert. Bei Veranstaltungen, bei denen Elite- und Amateursportler gemeinsam starten, kann dagegen durchaus auch ein Amateur in eine Wettkampfkontrolle geraten. Bei einer von der NADA kontrollierten Veranstaltung können grundsätzlich alle Teilnehmenden ausgewählt werden.

Für den typischen ambitionierten Freizeitathleten, der keinem Testpool angehört und überwiegend bei reinen Breitensportveranstaltungen startet, ergibt sich daraus dennoch eine bemerkenswerte Realität: Eine unangekündigte Dopingkontrolle im Training oder zu Hause gehört praktisch nicht zu seiner Sportwelt.

Das bedeutet nicht, dass Doping dort erlaubt wäre. Je nach Verbandszugehörigkeit und Veranstaltung können Anti-Doping-Regeln sehr wohl gelten. Aber das Risiko, überhaupt kontrolliert zu werden, ist mit dem eines Spitzenathleten kaum vergleichbar.

Ist das eine Einladung?

Diese Frage lässt sich wissenschaftlich nicht mit einem einfachen Ja beantworten.

Kontrollen sind nicht der einzige Grund, weshalb Menschen auf Doping verzichten. Gesundheit, Fairness, soziale Normen, das eigene Selbstbild und mögliche Sanktionen spielen ebenfalls eine Rolle.

Trotzdem gibt es Hinweise darauf, dass die wahrgenommene Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung das Verhalten beeinflusst. In einer Befragung von 645 Eliteathleten betrachteten drei Viertel die Wahrscheinlichkeit, dass ein Test Doping aufdeckt, als abschreckend. Sportlerinnen und Sportler, die häufiger kontrolliert wurden, nahmen das Kontrollsystem eher als Abschreckung wahr. Gleichzeitig zeigt dieselbe Forschung, dass Kontrollen allein keineswegs jeden vom Doping abhalten.

Und genau hier wird der Unterschied zwischen Spitzen- und Amateursport interessant. Im Profisport versucht ein aufwendiges System, Vertrauen durch Kontrolle herzustellen. Im größten Teil des Breitensports muss dieses Vertrauen weitgehend ohne Kontrolle funktionieren.

Dafür gibt es gute Gründe. Millionen Freizeitathleten unangekündigt zu Hause aufzusuchen wäre teuer, organisatorisch kaum zu bewältigen und ein erheblicher Eingriff in die Privatsphäre. Eine flächendeckende Dopingkontrolle beim Volkslauf am Sonntagmorgen dürfte kaum jemand ernsthaft fordern.

Doch die andere Seite lässt sich ebenfalls schwer ignorieren. Wenn Studien darauf hindeuten, dass leistungssteigernde Substanzen und Medikamentenmissbrauch auch im Amateursport vorkommen, entsteht dort ein System, das in besonderem Maße auf etwas angewiesen ist, das keine Laboranalyse messen kann: Selbstverantwortung.

Wenn Kontrolle zur Vertrauensfrage wird

Der Profi muss damit rechnen, dass morgen früh jemand vor seiner Tür steht. Der Amateur häufig nicht.

Für seine Gesundheit macht dieser Unterschied die Substanz nicht harmloser. Und für den Konkurrenten in der Altersklasse macht er einen unfair gewonnenen Vorteil nicht fairer. Vielleicht ist das die interessantere Erkenntnis dieses Themas: Im Spitzensport diskutieren wir darüber, ob Kontrollen manchmal zu weit gehen. Im Breitensport ließe sich ebenso berechtigt fragen, ob ihre weitgehende Abwesenheit irgendwann zu weit geht. Dazwischen liegt keine einfache Lösung.

Mehr Kontrollen könnten abschrecken und Fairness stärken. Sie würden aber Geld kosten, organisatorischen Aufwand erzeugen und einen Freizeitbereich überwachen, in dem Sport gerade auch Freiheit sein soll. Keine Kontrollen setzen dagegen voraus, dass Sportlerinnen und Sportler selbst eine Grenze ziehen – obwohl die Forschung zeigt, dass pharmakologische Leistungssteigerung keineswegs nur ein Problem derjenigen ist, die um olympische Medaillen kämpfen.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber streiten, ob der Breitensport ein kleines Abbild des Profisports werden muss.

Interessanter ist eine andere Frage: Wie viel Kontrolle braucht fairer Amateursport – und wie viel Verantwortung können und wollen wir den Sportlerinnen und Sportlern selbst überlassen?

Gerade weil es darauf keine einfache Antwort gibt, interessiert uns auch Deine Meinung: Sind Dopingkontrollen im Breitensport unnötig und unverhältnismäßig – oder entsteht durch die faktisch sehr geringe Kontrollwahrscheinlichkeit eine Lücke, über die Sport und Gesundheit stärker diskutieren müssten?

Schreib es uns gern in die Kommentare.

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